Pustefix ist alle oder Irgendwas mit Sommer

Das Fenster zum Sommer - Foto: Trithemius

Das Fenster zum Sommer – Foto: Trithemius

Bevor ich spätestens am frühen Mittag das Haus verlasse, schaue ich aus dem Fenster und halte Ausschau, was die Leute so anhaben, und richte mich danach. Dabei achte ich auf einen aufschlussreichen Querschnitt. Denn manche tragen immer noch T-Shirt, obwohl die Temperaturen deutlich gesunken sind. „Die Leute denken einfach nicht nach“, meinte der weltweise Herr Putzig letztens. Ich habe das immer als magisches Verhalten eingeschätzt. Man reagiert nicht auf das Wetter, sondern hofft, durch die Kleidung das Wetter beeinflussen zu können. Oder sie wollen einfach nicht wahrhaben, dass das Wetter nicht kalendergemäß ist. So wie man früher bei der Bundeswehr das Kurzarmhemd nur tragen durfte, wenn „Sommer befohlen“ war. Sonst verstieß man gegen die Kleiderordnung. Ob noch immer „Sommer befohlen“ wird, weiß ich nicht. Soll ja alles marode sein bei der Bundeswehr. Vielleicht hat der für den Wetterbefehl zuständige alte Hauptfeldwebel vor dem Morgenappell seine Zähne vergessen und zu sehr genuschelt. Oder sein neues Gebiss brachte selbstständig Pfeiftöne hervor, weil ja bei Neubeschaffungen immer der billigste Anbieter den Zuschlag kriegt, was aber nebenbei nur für kleine Anschaffungen wie ein Gebiss gilt. Und herbei pfeifen lässt sich eben nur Unwetter. Von Gebissen kann man sowieso Schlimmes  lesen:

Ich wurde durch meinen Zahnarzt reingelegt.
Der Scheißkerl hat mir ein falsches Gebiss verpasst.
Ein sehr falsches Gebiss.
Es beißt ohne vorzuwarnen.

(Aus: Kamagurka; Kamiel Kafka’s nog niet verzamelde werk, Antwerpen 1997 –
aus dem Niederländischen übersetzt von Jules van der Ley)

Ähem, vom Thema abgekommen. Zurück zum Wetter. Vermutlich liegt der Fehler über den Wolken. Der alternde Petrus überlässt alles einer Praktikantin, und als er sagte, „mach mal Sommerwetter“, hat sie verstanden, „mach irgendwas mit Sommerwetter.“ Irgendwas kennt sie, denn sie kommt aus Berlin, wo alle irgendwas mit Medien machen, „irgendwas“ geradezu gestaltbildend ist.

Vornehme Blässe - Foto: Trithemius

Vornehme Blässe – Foto: Trithemius

So nahm das Unheil seinen Lauf. Grönlandkälte! Demgemäß trugen heute, als ich aus dem Fenster sah, die meisten Leute Jacken, wenn sie nachgedacht hatten, versteht sich, und ich zog folgsam die Winterjacke an. Im Hausflur lag auf der Treppe ein trockenes Blatt. Das hatte nicht mal Zeit oder Gelegenheit gehabt, richtig braun zu werden, sondern war ziemlich blass wie man sieht. Zusammen kündigten wir irgendwas mit Herbst an. Bitte! Es ist nicht meine Schuld. Ich möchte die Tradition nicht wiederbelebt sehen, dass die Überbringer schlechter Nachrichten ge- oder erschlagen werden. Es ist sowieso wahrscheinlich, dass der Sommer zurückkehrt, wenn ich ihn erst mal beschimpft habe. Es verhält sich nämlich so: Wenn ich schreibe „Pustefix ist alle“, kannst du drauf wetten, dass es nachgefüllt wird.

Werbeanzeigen