Stiller Tod

MückeGroß ist das Sommerloch 2016 ja nicht. Um es zu stopfen, braucht’s heuer kein Ungeheuer von Loch Ness, ja nicht einmal einen Elefanten. Die ehemalige Intelligenzpostille Der Spiegel stopft das Sommerloch in dieser Woche mit einer Mücke, erklärt sie aber vorsichtshalber zum „gefährlichsten Tier der Welt.“

Da gefällt mir schon besser die hübsche Geschichte, die ich bei Bloggerin Moteens gelesen habe.

Stiller Tod heißt die Mückengeschichte im Teestübchen Trithemius: Sie entstand vor ein paar Jahren in Aachen, als ich noch in jeder freien Minute mit dem Rennrad gefahren bin.

Stiller Tod

Ein heißer Nachmittag im Juli. Vor dem ehemaligen Bahnhof von Kornelimünster, wo der Radweg der Vennbahntrasse aus dem überwucherten Hohlweg tritt, klatschte mir eine Mücke auf den rechten Unterarm, die sich wohl auf der angrenzenden Kuhwiese mit Blut vollgesoffen hatte.
Klatschte mir besinnungslos auf den Arm und zerplatzte, so dass ein dicker Blutflatsch mir über die Haut rann. Ja, weiß denn so eine Mücke nicht, wann genug ist? Muss die sich den Wanst derart vollschlagen, dass die leiseste Berührung sie zerreißt?

Bei der Imkerei am Ortsausgang, wo die Straße sich steil aus dem Tal der Inde windet, springt ein Bächlein in einen steinernen Trog. Hier im Schatten einer Kastanie knie ich hin und tauche einen Arm tief ins Becken. Wer kann schon von sich sagen, dass er das getan hätte? Und die Mücke, deren Reste jetzt davonschwimmen, wird glücklich vergangen sein, in ihrem Blutrausch. So hatten wir beide was davon.