Radiohören mit Klopapier

In der Humorkritik von gestern ging es um Fäkalsprache, die einen schwachen Witz aufwerten soll. Beim Schreiben fiel mir ein, dass es eine enorme Fallhöhe gibt zwischen dem Sträterschen Bericht über seine Hinterlassenschaft zum 10er-Pack Toilettenpapier mit dem Aufdruck eines Ghettoblasters, den ich mal im Bad eines Freundes vorgefunden habe. Vorab: Eine Weile habe ich Poetry-Slams besucht, hatte dann aber genug von der Szene, weil mir das eitle Getue der Slammer auf den Geist ging. Jedenfalls hörte ich einmal einen jungen Slammer von einer ihm furchtbar peinlichen Begegnung im Supermarkt erzählen, wie er nämlich gerade einen 10-er-Pack Toilettenpapier gegriffen hatte, und plötzlich steht sein heimlicher Schwarm vor ihm. Da kann er nur verlegen stammeln. Gegen solche Peinlichkeiten hilft natürlich die Ghettoblaster-Verpackung. Da kann man immer noch so tun, als würde man gerade Musik hören.
Trotzdem würde ich so einen gefakten Ghettoblaster nicht kaufen. Ich hätte die Sorge, Ex-Schüler von mir würden mich damit sehen. Das ist nicht so abwegig. Als ich gerade erst kurz in Hannover-Linden war und morgens Brötchen gekauft hatte, hörte ich von einem Balkon wie eine junge Frauenstimme erstaunt meinen Namen rief, also meinen richtigen mit „Herr“ davor, nicht mein Autorenpseudonym, unter dem man mich in Hannover kennt. Kann ja sein, dass eine Exschülerin von Aachen zu ihrem Freund nach Hannover gezogen ist, etwa um hier zu studieren. Gerade zupft sie die verwelkten Blüten aus den Geranien, da groove ich mit einer Ghettoblaster-Packung Klopapier am Ohr vorbei. Sie geht rein und sagt: „Stell dir vor: Justament ging mein früherer Deutschlehrer aus Aachen vorbei und horchte doch tatsächlich an einer 10-er-Packung Lokuspapier.“ Und ihr hipper Freund sagt ganz smart: „Dein Ex-Deutschlehrer hört Radio mit Klopapier? Was seid ihr da für Freaks in diesem Aachen?“

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18 Kommentare zu “Radiohören mit Klopapier

  1. Torsten Sträter, auch ihn durfte ich kennenlernen durch motivloses Herumschnipsen vor dem Fernseher. Mir hat sich aber nicht erschlossen, warum dieser flache belanglose Texte lesende Langweiler bedeutender Comedystar sei sein soll. Hat er möglicherweise noch etwas anderes, vielleicht doch Bedeutendes gemacht?
    Ach was, ich lass es, die hiesige Comedyszene zu verstehen, und ziehe mich auf den Stapellesesessel zurück.

    😉

    Gefällt 2 Personen

    • Stimmt. Ich glaube, es ist wie mit Piktogrammen. Die konservieren auch Bildideen, die längst von der Wirklichkeit überrollt wurden wie etwa das Piktogramm für Telefon (mit Wählscheibe und Hörer) oder die Dampflok auf Verkehrsschildern für ´“unbeschrankter Bahnübergang“.

      Gefällt 3 Personen

  2. Ach ja, Poetry Slam… Manchmal so gut und voller Wortwitz und manchmal genau das, was ich in deinem verlinkten Text nachlesen konnte.
    Ende letzten Jahres war ich auf einem, der durchwegs gelungen war. Bis zum letzten Auftritt. Da stand einer und beschwerte sich über den harten Alltag der Lehrer. Wenn es lustig sein sollte, habe ich es nicht verstanden. Hätte er Toilettenpapier getarnt als Ghettoblaster bei sich gehabt und die Klappe gehalten, hätte ich wenigstens etwas zum nachdenken gehabt.

    Gefällt 1 Person

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