ZWEI BOXKÄMPFER JAGEN EVA QUER DURCH SYLT – Alphabet und Alphabetmystik

Wido fragte: „Hat Gott kein Mitleid mit den Toma? Andere Völker kennen die Schrift. Nur die Toma bleiben unwissend.“
Gott sprach: „Ich fürchte, dass ihr keine Achtung mehr vor dem Glauben und den Überlieferungen haben werdet, wenn ihr fähig seid, euch schriftlich auszudrücken.“
„Gar nicht“, erwiderte Wido, „wir werden weiterleben wie vorher. Ich verspreche es.“
„Wenn es so ist“, sagte Gott, „will ich euch die Kenntnis der Schrift gewähren, aber nehmt euch in Acht, dass ihr sie nicht einer Frau verratet.“ (zitiert nach Ignace Gelb)

So wie bei dem afrikanischen Stamm der Toma geht es zu, wenn ein Volk sich von einer rein mündlichen Kultur zur schriftlichen Kultur wandelt. Verbreitet ist der Glaube an den göttlichen Ursprung der Schrift. Sie ist zunächst nur einer elitären Kaste zugänglich. Oft sind es Priester, die sich mit Hilfe der Schrift ihre Macht sichern. In vielen Kulturen lernen die Frauen als letzte die Schrift.

25Regenten
Alphabeträtsel aus dem 18.Jahrhundert, Kalligraphie: Trithemius

Die 25 Buchstaben des Alphabets als Weltenherrscher (I und J sowie gelten noch als jeweils ein Buchstabe) – das Rätsel lässt ahnen, welche Ehrfurcht die Alten vor dem Alphabet hatten.
Dabei kam besonders der Reihenfolge des Alphabets große Bedeutung zu. Aus heutiger Sicht gibt es keine Rechtfertigung für die Alphabetfolge.

„Für die Ordnung des Alphabets gibt es, außer der Tatsache, dass es sich über mehr als 2000 Jahre vererbt hat, keine Rechtfertigung. Systematisch plausibel wäre beispielsweise die getrennte Aufführung von Vokalen und Konsonanten“, schreibt der Linguist Florian Coulmas.

Das gilt natürlich nur insoweit, als die Griechen bei der Übernahme aus dem Hebräischen der vorgefundenen Reihenfolge nicht die hebräische Bedeutung beigemessen haben. Im Hebräischen hängt die Reihenfolge des Alphabets mit den Zahlwerten der Buchstaben zusammen. Alef = 1, Beth = 2 – so sind also ursprünglich „die Buchstaben Zahlen und die Zahlen Buchstaben.“ (Friedrich Weinreb) Dem hebräischen Alphabet fügten Griechen weitere hinzu. Für X, Y, Z gibt es im Lateinischen keine Lautwerte. Die Römer übernahmen sie, um griechische Namen korrekt schreiben zu können und hängten sie der Alphabetreihe einfach hinten an. Der Sinn der so entstandenen Alphabetordnung vermittelt sich uns natürlich nicht mehr. Daher die rationale Einstellung des Linguisten Coulmas. Dem steht die mystische Verehrung gegenüber, wie sie noch beim Romantiker Hölderlin (1770-1843) anklingt:
HölderlinLinolschnitt: Trithemius

Alle magischen Vorstellungen, die sich mit der Alphabetreihe verknüpfen, finden sich bereits beim griechischen und noch früher beim hebräischen Alphabet; das heißt, uralte schriftmagische Eigenschaften der älteren Alphabete sind auf das relativ junge lateinische Alphabet übergegangen, auch wenn die zugrunde liegenden Ideen nicht oder nur unzureichend überliefert waren. So erklärt es sich, dass die meisten Aspekte der Alphabetmystik rasch in Vergessenheit geraten konnten und als leere Rituale weiter bestanden oder bis zur Unkenntlichkeit verändert wurden.

Vom Altertum bis ins 18. Jahrhundert legte man Wert auf eine virtuose Beherrschung der Alphabetfolge, man musste sie vorwärts wie rückwärts aufsagen können. Das Heruntersagen des Alphabets diente verschiedenen Zwecken. Die heute übliche Nutzung als Ordnungsprinzip steht dabei eher im Hintergrund.

Über die schwarzmagische Anwendung macht sich Jean Paul im Siebenkäs (1797) lustig:

„Ich sehe, dass das Fleck- und Scharlachfieber des Zorns, das man leicht aus dem Phantasieren des Patienten vermerkt, vielleicht ebenso gut, als ob man Amulette umhinge, nachlässet und weicht, wenn man den Teufel anruft; in dessen Ermangelung die Alten, denen der Satan ganz fehlte, bloßes Hersagen des Abc’s anrieten, worin freilich der Name des Teufels mitschwimmt, aber in zu viele Buchstaben verdünnet.“

Die fromme Kehrseite zeigt Moscherosch (1665):

„Wann ich Morgens auffstehe, sprach Grschwbtt, so spreche ich ein gantz A.B.C., darinnen sind alle Gebett auff der Welt begriffen, vnser Herr Gott mag sich darnach die Buchstaben selbst zusamen lesen vnd Gebet drauß machen, wie er will, ich könts so wol nicht, er kan es noch besser. Vnd wann ich mein abc gesagt hab, so bin ich gewischt vnd getrenckt, vnd denselben Tag so fest wie ein Maur.“
(Hanß Michael Moscherosch, Satyrische Gesichte Philanders vom Sittewalt, IV. Theil, anders Gesicht: Soldaten-Leben)

In gleicher Weise sind auch die vielen Alphabetreihen zu verstehen, die sich in antiken Inschriften finden. Noch bei den Römern suchte und fand man im Alphabet Weisheit und Schutz vor übereilten Handlungen. Richter, die zu strengen Urteilssprüchen neigen, sollen ihren Zorn durch das Alphabet abkühlen, um danach klarer zu sehen, wie gerecht zu urteilen sei. Der Stoiker Athenodoros aus Tarsos gab Kaiser Augustus den Rat, er solle im Zorn immer das Alphabet still für sich hersagen.

Selbst die Kirche bediente sich der magischen Kraft des Alphabets. Seit Papst Hadrian (772-795) war ein aufwendiger Alphabetritus bei der Konsekration (Kirchweihe) vorgeschrieben. Dabei wird Asche in Form eines großen Andreaskreuzes auf den Boden der zu weihenden Kirche gestreut. Der Bischof schreitet das Kreuz ab und schreibt mit seinem Stab das griechische und das lateinische Alphabet in je einen Kreuzbalken. Der Ritus ist bis ins 20. Jahrhundert geläufig, so bei der Konsekration der Kathedrale von Westminster, wie eine Reportage der Londoner Times vom 29.6.1910 zeigt, die der amerikanisch-polnische Altorientalist Ignace Gelb übermittelt:

„Auf dem Fußboden des geräumigen Kirchenschiffes waren vom Haupteingang bis zum Sanktuarium zwei breite weiße Wege aufgemalt, die die gegenüberliegenden Ecken des Raumes diagonal verbanden und sich in der Mitte des Kirchenschiffes in Gestalt eines riesigen X, eines Andreaskreuzes, schnitten. Wo die Streifen sich trafen, war ein Bischofsstuhl aufgestellt; hier kniete der Erzbischof im Gebet, noch in Chorrock und Mitra, während der Chor das antike Klagelied des „Sarum Antiphoner“ sang. Diener streuten währenddessen Asche in das Kirchenschiff. Sie legten kleine Aschenhäufchen in einer Entfernung von fast zwei Meter entlang den Linien des Andreaskreuzes. Neben jedem Aschenhäufchen lag ein Stückchen Karton, auf dem ein Buchstabe des Alphabets stand – der griechische auf der einen und der lateinische Buchstabe auf der anderen Linie. Der Erzbischof ging dann zum Haupteingang, begleitet von Diakon und Subdiakon; vor ihm wurde der Kruzifixus zwischen angezündeten Kerzen getragen. Von der Ecke ausgehend schritt Dr. Bourne den einen Strich des Andreaskreuzes entlang und berührte dabei mit dem Ende seines Hirtenstabes die Buchstaben des griechischen Alphabets auf den Aschenhäufchen; wieder zum Haupteingang zurückgehend, wiederholte diesen Vorgang auf der anderen Linie und berührte jetzt die Aschenhäufchen mit den Buchstaben des lateinischen Alphabets. Diese merkwürdige Szene wird verschieden interpretiert, als Symbol der Vereinigung der Ost- und Westkirche oder als die Lehre von den Anfängen der Christenheit oder als ein Überbleibsel der Gewohnheiten römischer Auguren, den Grundriß für den Bau eines Tempels festzulegen, oder als Verfahren eines römischen Vermessers, Land für fiskalische Zwecke abzumessen.“

Erst beim 2. vatikanischen Konzil im Jahre 1965 wurde der Alphabetritus abgeschafft.

Das Essen von Schrift ist ebenso eng mit der Alphabetmystik verknüpft. Der Hl. Columba, der Apostel der Iren, lernte der Überlieferung nach Lesen und Schreiben, indem er einen Alphabetkuchen aß.

Alphabet SchwittersSpuren der Alphabetmystik findet man in Literatur und Kunst, zum Beispiel bei Kurt Schwitters im „Alphabet von hinten“ (1922) und in seiner „Ursonate“ (1923):
Zätt üpsiilon iks
We fau Uu
Tee äss ärr kuu
Pee Oo ann ämm
Ell kaa Ii haa
Gee äff Ee dee zee bee Aaaaa

oder bei Louis Aragon: Alphabet „A,B,C,D,E…“ in „Feu de joie“ (1920).

Abgesunkene Formen der Alphabetmystik sind noch in Sprachspielen und Kinderliedern gegenwärtig. Beliebt sind Sätze, die alle Buchstaben des Alphabets enthalten:

ZWEI BOXKÄMPFER JAGEN EVA QUER DURCH SYLT (36).
JAKOB SCHWEIGT VOR QUAL UND ZUPFT AM XYLOPHON (38).

lochstreifenmatrix RYDer Satz THE QUICK BROWN FOX JUMPS OVER THE LAZY DOG (35) wurde früher vom britischen Militär benutzt, um die korrekte Übertragung aller Buchstaben per Fernschreiber zu testen *). Dass es sich hierbei um eine technisch überflüssige Alphabetspielerei handelt, beweist die nüchterne Praxis der deutschen Fernmelder. Ihnen genügte als Funktionstest schon das Senden von R und Y, da sie die gesamte Lochstreifenmatrix abdecken; wenn also R und Y korrekt übertragen werden, gilt das auch für die anderen Buchstaben des Alphabets.

In der Vorschulserie „Sesamstraße“ (ARD, Original: Childrens workshop-television) wird nicht nur das ABC-Lied gesungen, es gibt auch einen Sketch, in der die Jim-Henson-Puppe Grobi gefragt wird, ob sie ein Geheimnis bewahren könne. Nachdem Grobi dies bejaht, wird ihm das Alphabet mitgeteilt.

abc_Pflaster_smallSehr verdächtig ist das ABC-Pflaster gegen rheumathische Beschwerden. Der Beipackzettel weist das ABC als Akronym aus. Es kennzeichne die Extrakte aus Arnica, Belladonna und Capsicum. Der Menge nach sortiert müsste es aber BAC-Pflaster heißen. Die Anspielung auf die ABC-Magie der Volksmedizin verrät sich auch darin, dass im Pflaster die Luftlöcher in ABC-Form angeordnet sind. Egal, wenn’s nur hilft!


*) In der Kriminalerzählung „Anyone for Murder“ von Jack Ritchie, 1991, (deutsch: „Geschäft: Mord“, in: „Einzelhaft“, Geschichten aus dem Amerikanischen, Diogenes 1995) bietet sich ein Psychologieprofessor zu Testzwecken per Zeitungsinserat als Gattenmörder an. Er bekommt einen Antwortbrief, der den Rückschluss zulässt, dass er von seiner eigenen Ehefrau stammt. Heimlich testet er die Schreibmaschine seiner Frau, indem er schreibt: „Der flinke rote Fuchs springt über den faulen Hund.“ Im Original wird hier der Fernmeldersatz THE QUICK BROWN FOX… stehen. Der Psychologieprofessor schreibt also alle Buchstaben des Alphabets, um die Schreibmaschinentypen auf Besonderheiten untersuchen zu können. Da der Autor den Vorgang unerklärt lässt, muss er davon ausgehen, dass der Satz amerikanischen Durchschnittslesern bekannt ist. Der deutsche Übersetzer kannte ihn offenbar nicht. Die Funktion des Satzes wird bei seiner wörtlichen Übersetzung natürlich nicht deutlich, weil „DER FLINKE ROTE FUCHS…“ eben nicht alle Buchstaben des Alphabets enthält.

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21 Kommentare zu “ZWEI BOXKÄMPFER JAGEN EVA QUER DURCH SYLT – Alphabet und Alphabetmystik

  1. Sehr informativ und aufschlussreich!
    Ich denke gerade darüber nach, ob, hätten wir – jetzt ausschließlich auf die Deutsche Sprache konzentriert – mehr Buchstaben als nur die 26 im Alphabet, wir dann auch mehr Wörter und also mehr Begriffe und also mehr verschiedene oder gar andere Sichtweisen zur Verfügung hätten als wir jetzt haben?
    Gut … vielleicht hätte das letzte Glas Rotwein doch nicht trinken sollen …

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    • Freut mich, dankeschön, Herr Ösi. Unsere Alphabetschrift ist ja ein sekundäres Zeichensystem und soll den Sprachlaut abbilden. Für die umgekehrte Wirkung, dass also die Schrift den Laut verändert, gibt es nur wenige Beispiele. Es passiert eher andersrum, wenn nämlich Homophone (gleich klingende Wörter) orthographisch unterschieden werden wie „wider“(gegen) und wieder (nochmals). Der Gedanke, dass die Weltsicht abhängt vom Wortschatz, findet sich in der Sapir-Whorf-Hypothese https://de.wikipedia.org/wiki/Sapir-Whorf-Hypothese und literarisch in Orwells Roman 1984, https://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech. Gut, dass du das Glas Rotwein noch getrunken hast.

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      • Wittgenstein: Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt. Allerdings geht es da – soweit ich das Traktatus verstanden habe – um eine rein analytische Sicht und nicht um gegenseitige Beeinflussung von Sprache und Welt

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      • Wie immer, wenn es hier um Sprache und Buchstabenkunst geht: eine Offenbarung.
        Es gibt – nicht nur hier, aber sehr oft hier – Texte, von denen ich mir wünschte, sie irgendwie dauerhaft für ständiges Wiederlesen konservieren und archivieren zu können. Aber dafür müsste ich wohl noch ein weiteres Blog anlegen.
        Also bliebt mir nur die Alternative, diesen Text gleich nochmal zu lesen und möglichst lang in meinem Gedächtnis abzulegen.

        Danke sehr.

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        • Dankeschön für die positive Rückmeldung. Solche Veröffentlichungen im Blog sind in der Tat ein bisschen deplaziert, weil sie nicht leicht konsumierbar sind. Ich merke es auch an der deutlich geringeren Zahl der Aufrufe. In diesem Fall jedoch ist erfreulich, dass mein Text, urspünglich veröffentlicht auf der versunkenen Plattform Blog.de, in einer wissenschaftlichen Publikation zitiert wird, was höchst ungewöhnlich ist für Blogveröffentlichungen. Daher die überarbeitete Neuveröffentlichung hier.

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            • Ds freut mich, liebe Beate. Ein Teil meiner Leserschaft wird durch derlei Beiträge wohl eher abgeschreckt. Die Kritik war aber an meine Adresse gerichtet. Ich muss mich endlich mal um die Vermarktung meines Manuskriptes kümmern. Da ist’s ganz gut, wenn es eher ruhig zugeht im Teestübchen. Durch das Tagesgeschäft des Bloggens lasse ich mich immer wieder ablenken.

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  2. Mir gefällt die fromme und dabei total materialistische Sicht von Moscherosch. Sie erinnert mich daran, daß in den zwölf Tönen unseres Notensystems die ganze Musik enthalten ist.

    Die Graphik zum Alphabet von hinten enthält übrigens einen Fehler; oben müßte es z y x (nicht z x y) heißen.

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    • Du machst deinem Berufsstand alle Ehre, liebe Dorothea. Danke für den Hinweis! Der Fehler findet sich in Friedhelm Lach, Kurt Schwitters – Das literarische Werk, Bd 1, Köln 1973. Das wird Freund Merzmensch interessieren, der sich wissenschaftlich mit Dada und Schwitters beschäftigt, und auf dessen Anregung ich den Beitrag übers Alphabet im Teestübchen veröffentlicht habe. http://merzdadaco.hypotheses.org/

      Dem Gedanken, dass in einer abzählbaren Menge von Zeichen alle möglichen Varianten enthalten sind, wie in den „zwölf Tönen unseres Notensystems die ganze Musik“ bin ich hier auf die Sprache bezogen http://trithemius.de/2015/08/09/die_unendliche_bibliothek570638/ einmal nachgegangen.

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      • Es gibt eine Anekdote über Debussy. Jemand fragte ihn, wie er komponiere, und er antwortete: Ich nehme alle Töne, die es gibt und lasse diejenigen weg, die ich nicht will.

        Noch schöner hat Sandra Boynton es in ihrem Schokoladenbuch ausgedrückt. Es geht um die Frage, wie man Schokoladenhäschen modelliert. Auf deutsch lautet die Antwort: „Man stelle 1 Schokoldadenblock 1 x 1 x 2 m in ein helles, geräumiges Atelier. Man schlage alle Stücke ab, die nicht an einen Hasen (Oryctolagus cuniculus) erinnern“. Im Original ist es fast noch lustiger: „Stand on end 1 block of chocolate, 4 x 4 x 7 feet. Chip away all pieces that do not contribute to an overall impression of rabbitittity.“

        Was allen Versionen gemeinsam ist: Der Künstler weiß genau, was er will und muß nur noch Hindernisse aus dem Weg räumen.

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        • Das ist interessant, ähnliches wie in den beiden oben angeführten Anekdoten sagte etwa auch Mark Twain über das Schreiben:
          »Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.«
          Oder (laut Überlieferung) Michelangelo über seinen David, der aus einem einzigen Marmorblock gemeißelt ist:
          »Die Figur war schon in dem rohen Stein drin. Ich musste nur noch alles Überflüssige drumherum wegschlagen.«

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    • Ja, die Vielfalt und Komplexität der Welt (das Wort Schöpfung verweist auf einen Schöpfer, der nicht unbedingt beteiligt sein müsste) bilden wir nur unzureichend mit unserer Sprache ab, so dass zwischen dem Alphabet und der Poesie eines Gebetes nur eine geringe Fallhöhe zu bestehen scheint.

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  3. Lieber Jules,
    ich widerspreche Ihnen sehr ungerne, weil Sie für mein Empfinden eine unerreichbare Erfahrung in Sachen Journalismus und Schriftstellerei haben.
    Aber wenn Sie schreiben:“Ein Teil meiner Leserschaft wird durch derlei Beiträge wohl eher abgeschreckt“, dann möchte ich ergänzen, dass man schreiben kann, was man will, und wird nie eine konstante Leserschaft haben. Außerdem würde ich nicht sagen „abgeschreckt“, sondern positiv gedacht, mit manchen Texten „lockt man keine Leserschaft an“.
    Selbst wenn Sie sich auf einen einzigen Leser konzentrieren und nur schreiben, was dem gefällt, dann gefällt dem morgen plötzlich etwas anderes.
    Allein solche Gedankengänge – was gefällt – was gefällt nicht, schmälert die Authentizität und DAS könnte eher „abschrecken“. 😉
    Sie haben eine grandiose Themen-Bandbreite, da ist für jeden etwas dabei – und wenn nicht jeden Tag, dann eben jeden zweiten! 😉

    Gruß Heinrich

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    • Lieber Heinrich,

      bisher habe ich immer geschrieben, was ich selbst gerne lesen möchte, und da ich ein neugieriges Mensch bin, ergibt sich die Vielfalt der Themen von selbst. Ich schiele nie auf eventuellen Publikumsgeschmack. Es geht eher um das Publikationsmedium und die damit verbundenen Lesegewohnheiten. Manche Texte sind leicht konsumierbar, andere wären auf Papier besser aufgehoben, weil sie leichtfasslicher wären, wenn man sie anfassen könnte. Der Text oben gehört sicher zu dieser Kategorie. Auch erschwert die ausschnitthafte Publikation auf dem Bildschirm die Rezeption. Man kann den Text nicht überschauen. Dass im Zusammenhang mit dem Inhalt des Textes trotzdem so geistreiche Kommentare verfasst wurden, straft meine Meckerei Lügen.

      Gruß
      Jules

      Gefällt 1 Person

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