Nur noch ein bisschen Asche – Erinnerung an meinen guten Freund Thomas Haendly †

thomas
Du liebe Zeit! Zwei Jahre sind schon vergangen, da mein guter Aachener Freund Thomas sich erschossen hat. Geblieben ist mir etwas von seiner Asche in dem Filmdöschen des kleinen Altars auf meiner Kommode.
Gestern jährte sich der Todestag meines Freundes zum 2. Mal. Tags zuvor hatten wir noch telefoniert und zusammen gelacht. Thomas war in Aachen immer mein sicherer Hafen gewesen. Wir hatten uns erst kennen gelernt, ein Jahr bevor ich nach Hannover gezogen bin. Ich war bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen gewesen. Bei meinen Gastgebern traf ich diesen freundlichen Mann, einen Freund der Familie, der beständig etwas in ein Moleskine-Büchlein notierte, Buchtitel, meine Blog-Adresse, Wörter, Wortwendungen und Ideen, die ihm gefielen … – er kartographierte seine Eindrücke. Diese Form der Aneignung von Welt habe ich schon immer geschätzt. Wenn man auf diese Weise Notizen macht, verbinden sich manche von ihnen synästhetisch mit dem Ort des Geschehens und eventuell mit der gesamten Situation. So bekommt jede Notiz eine Bedeutungstiefe, die einer nachträglichen fehlt. Weiterlesen

Geben Sie dem Mann ein Haarnetz

ichHätte ich gewusst, dass ich bei der Bundeswehr ein Haarnetz tragen dürfte, genau wie meine Oma, hätte ich nicht Einberufung und Wehrpass im Waschbecken verbrannt, sondern wäre frohgemut hingegangen. Tatsächlich habe ich ungefähr so ausgesehen, als der Staat mich zum Wehrdienst rief und ich nicht folgte. Ich war gerade mit der späteren Mutter meiner Kinder in eine Kölner Wohnung gezogen und wollte da nicht weg, obwohl das Waschbecken jetzt verstopft war.

Man empfing mich in der Ausbildungskompanie ziemlich unfreundlich, weil mich die Feldjäger zwei Wochen hatten suchen müssen. Kompaniechef und Leutnant setzten mir zu. Ich dürfte keinesfalls den Kriegsdienst verweigern, „“die Kameraden nicht aufwiegeln“, überhaupt, müsste ich mich strengstens an alle Regeln des Soldatenseins halten und mich einfügen. Beim kleinsten Vergehen gegen die Vorschriften wollten sie “meine Sache der Staatsanwaltschaft übergeben.” Dann wäre ich vorbestraft. Mein oberster Chef war Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt. Er hatte am 8. Februar 1971 einen Erlass herausgegeben, in dem stand:

Die Bundeswehr kann in ihrem Erscheinungsbild die Entwicklung des allgemeinen Geschmacks nicht unberücksichtigt lassen.“ (…) „Haare und Bart müssen sauber und gepflegt sein. Soldaten, deren Funktionsfähigkeit und Sicherheit durch ihre Haartracht beeinträchtigt wird, haben im Dienst ein Haarnetz zu tragen.

Folglich liefen viele Wehrpflichtige mit so einem Haarnetz auf dem Kopf durch die Kaserne. Zu albern sah das aus. Ohne Haarnetz war ich immerhin der Schrecken aller Schwiegermütter, die perfekte Abschreckung, falls mal irgendein verbrecherischer Schwiegermütterstaat Deutschland angreifen wollte. Mit Haarnetz erschreckte ich nur meine Oma. Ein Haarnetz zu tragen, war sicher ebenso erniedrigend wie ein kahler Kopf. Der Unterschied: nach Dienstschluss durften die Haare wieder in die Freiheit. Dagegen sahen die Glatzen selbst im Feierabend wie geschorene Sklaven aus.

Haarnetze sind zwar dicht, aber sehr empfindlich. Ein kleiner Einriss, schon ist ein Loch drin. Aus löchrigen Haarnetzen schieben sich Haarsträhnen. Dann musste bald ein Neues her, weil es gegen die Kleiderordnung verstieß, ein Haarnetz zu haben, aus dem Strähnen wuchsen. Aber immer wieder kam es zu erfreulichen Engpässen in der Haarnetzlieferung, obwohl man vorsorglich 740.000 Stück auf Lager gelegt hatte. Helmut Schmidt hat dafür, glaube ich, den Orden Wider den tierischen Ernst bekommen.

Als wir vereidigt werden sollten, gab es keine Haarnetze. Zu viele Rekruten hatten sie zerrissen. Mein Kompaniechef bestellte mich ein, und zusammen mit dem Leutnant flocht er mir einen Zopf, eine durchaus homoerotische Angelegenheit. Dann legten sie den Zopf auf meinen Scheitel und befahlen mir, den Helm darüber zu stülpen.

Es war heiß an diesem Tag. Die Ausbilder wirkten aufgeregt. Ein General hatte sich angesagt. Er würde auf der Tribüne sitzen und sich die Vereidigung ansehen. Die Rekruten würden an ihm vorbeimarschieren und müssten anschließend lange in der Sonne stehen. Ein Stabsunteroffizier führte meinen Zug zum Vereidigungsplatz. Er fürchtete, es könnte einer von uns in der prallen Sonne umkippen. Daher befahl er nach wenigen Schritten, die Helme abzusetzen. Mein Zopf fiel hinunter. Als wir uns der Tribüne näherten, hieß es: „Helm auf! Im Gleichschritt …!“ Da konnte ich meinen Zopf nicht wieder untern Helm schieben. Sie hätten „meine Sache“ bestimmt dem Staatsanwalt übergeben, wegen unbotmäßiger Fummelei am Kopf während des Marsches zur Vereidigung. Darum fügte ich mich ein, wiegelte auch keinen Kameraden auf, mir beim Richten der Haarfrisur zu helfen, sondern trug meinen Zopf mit Fug und Recht an der Tribüne des Generals vorbei.

Er wird mich nicht gesehen haben. Generäle achten nicht auf einzelne Soldaten, sondern auf Kompanien, Bataillone, Regimenter und Heeresgruppen. Aber ich habe damals zum ersten Mal erfahren, wie lustvoll und befreiend es ist, Netze zu zerreißen. Diese Erkenntnis verdanke ich den vielen anderen Rekruten überall in der Bundesrepublik, die ebenso ihre Netze zerrissen haben. Nur durch dieses unsichtbare Netzwerk, das allein aus ähnlichen Gedanken bestand, konnte der Nachschub im Versorgungsnetz der Bundeswehr zum Erliegen kommen.

Ein Jahr später war ich gerade im Wochendurlaub, als übers Radio mitgeteilt wurde, dass der Haarerlass gekippt worden war. Es war aus mit der „German Hair Force“. Ich setzte mich hin und weinte.

Ich besitze drei hübsche Farbfotos von mir in Uniform mit vielen Haaren ohne Haarnetz und habe mir das Wochenende damit versaut, sie zu suchen. Dabei hätte ich doch eigentlich meinen Weihnachtsbaum abbauen wollen/sollen, denn er verdeckt mein Bücherregal, just wo meine Dudensammlung steht. Freund Leisetöne bat mich kürzlich, darin etwas für ihn nachzuschauen. Am Samstag hat er sogar Schneebälle gegen mein Fenster geworfen, um mich leise zu erinnern. Bevor ich noch mehr meiner kostbaren Lebenszeit mit Suchen verplempere, haue ich den Text jetzt raus. Er war eigentlich gedacht als vorletzter Text für das Schreibprojekt des Wortmischers. Hier geht alles durcheinander – kein Wunder, bei den Haaren.

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Ohne Fahrradhelm gestürzt

ohne Fahrradhelm gestürztWagemutig – Foto: Trithemius (größer: bitte klicken)

Es schneit schon den ganzen Tag. Auf der Benno-Ohnesorg-Brücke gleitet einer mit dem Fahrrad aus, wirft die Arme nach vorn und legt sich lang.
„Alles in Ordnung?!“ fragt ein älterer Fußgänger.
„Ja, ja“, sagt der Radfahrer, rappelt sich auf und klopft mit einem Handschuh den Schnee von Jacke und Hose.
Der Alte tritt hinzu und sagt:
„Wissen Sie, was mich am meisten ärgert?“
„Nein“, sagt der Radfahrer und richtet seine verbogene Lampe.
„Dass so viele, ich mache das ja auch manchmal, ohne Fahrradhelm fahren.“
„Wissen Sie, was doppeltes Pech ist?“, fragt der Radfahrer.
„Nein“, sagt der Alte.
„Zu stürzen, wo grad ein Klugscheißer steht.“

Dies ist der vorerst letzte Beitrag zum Schreib-mit-Projekt des Kollegen Wortmischer
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Mutmaßungen über einen Mann im Norwegerpullover

Der Mann im Norwegerpullover sitzt wie bestellt und nicht abgeholt am Tisch und starrt geradeaus. Da sitze ich und esse einen Gemüseauflauf. Der starrt mir auf Teller, Gabel und Mund, dass es mir nicht mehr schmeckt. Das ist unhöflich, man macht es nicht. Höchstens wenn er von großem Hunger gepeinigt würde, könnte ich sein Verhalten entschuldigen. Ich gucke ihn mir genauer an. Er scheint nicht wirklich in Not zu sein. Der Norwegerpullover und die grünbraune Kordhose mit Kniff waren bestimmt nicht billig. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass einer wie er in den Laden geht und zum Verkaufspersonal sagt: „Bringen Sie mir einen Norwegerpullover und eine grünbraune Kordhose!“ Zu einem derart gekleideten Mann, der überdies tatenlos herumsitzt und starrt, gehört eine resolute Frau. Eine, die entscheidet, dass er für den Winter einen warmen Pullover braucht und eine gediegene Hose, die Regen und Schnee trotzen kann.

Da kommt sie auch schon mit einem Tablett, hat vom reichhaltigen Buffet sein Essen geholt und stellt es vor ihn auf den Tisch. Sie nimmt die Geldbörse vom Tablett und geht wieder, offenbar um sich zu versorgen. Der Mann im Norwegerpullover beginnt mechanisch zu essen. Ob er sich Gedanken macht, von welchem Rollenverständnis sein Verhalten prägt ist? Obwohl die Frau nicht selber kocht, man ist ja in der Stadt unterwegs, setzt er sich an den Tisch, und sie stellt ihm das Essen hin. Denkt an sich selbst zuletzt.

Eigentlich ist es Männersache, das Essen zu jagen. Auch wenn es fertig zubereitet am Buffet herumsteht. Zumindest jüngere Männer verhalten sich so. Man kann sie sonntagmorgens sehen, wie sie aus allen Häusern herauskommen und ungewaschen zum Bäcker laufen. Lässiger Aufzug und Frisur verraten, dass sie gerade aus einem Bett gekrochen sind. Der Impuls, Essen zu jagen, hat etwas mit Sexualität zu tun. Er stellt sich meistens nach vollzogenem Geschlechtsverkehr ein. In Erwartung weiterer Lustgefühle beweist der Mann, dass die Frau den Richtigen erhört hat, einen, der Essen in die Höhle schleppen kann. Oder aber, er ist noch nicht erhört worden und will sich durch erjagte Brötchen attraktiv machen.

Männer mit Norwegerpullover und grünbrauner Kordhose mit Kniff sind jenseits solcher Gefühle. Indem sie aus Bequemlichkeit auch die Geldbörse abgegeben haben, ist ihnen Selbstbestimmung und sexuelle Attraktivität abhanden gekommen. Er ist fast fertig mit seinem Teller, als die Frau wiederkommt und sich mit ihrem Essen an den Tisch setzt. Jetzt kann er mich nicht mehr anstarren. Aber ich bin eigentlich auch fertig mit ihm.

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Rote Pumps

Die folgende Geschichte ist eine urbane Sage. Ich hörte sie vor 25 Jahren auf dem niederländischen Radiosender Hilversum III. Der Moderator Jeroen van Inkel erzählte in seiner Vorabendshow „Rinkeldekinkel“ täglich „Een waargebeurde verhal“ (Eine wirklich passierte Geschichte), eine urbane Sage, untermalt von dramatischer Musik. Ich habe die Sagen mitgeschnitten, hernach transkribiert und frei übersetzt, eigentlich nacherzählt.

stilettos-295443_640Ein Familienvater macht nach einem Ehestreit eine Kneipentour. In einer Bar lernt er eine atemberaubend schöne Frau kennen. Nach heftigem Flirt beschließen sie, mit seinem Auto zu einem einsamen Parkplatz zu fahren. Dort ergreift die Erregung von ihnen Besitz. Doch bald stellt der Mann fest, dass er sich auf einen Transvestiten eingelassen hat. Er wirft den Mann aus dem Auto und fährt frustriert nach Hause. Am nächsten Tag macht die Familie einen Ausflug an die Küste. Die Schwiegermutter sitzt auch mit im Auto. Nach einem Bremsmanöver sieht der Mann, dass ein roter Damenschuh unter seinem Sitz hervorgerutscht ist.

Zum Glück müssen die beiden Kinder mal. Er hält auf einem Rastplatz, und während seine Frau und die Kinder abgelenkt sind, wirft er den Schuh heimlich in einen Mülleimer.

Am Ziel steigen alle froh aus, nur die Schwiegermutter nicht. Sie kriecht da irgendwo am Boden der Rückbank rum und ruft: „Ich verstehe das nicht! Eben habe ich hier im Auto meine Schuhe ausgezogen und jetzt ist einer weg!“

Anfang der 90-er Jahre, noch vor den Zeiten des Internets, kursierten viele solcher Geschichten, vielleicht angestoßen durch die Bücher des Sagenforschers und Ethnologen Rolf Wilhelm Brednich: “Die Spinne in der Yuccapalme” (1990), “Die Maus im Jumbojet” (1991), “Das Huhn mit dem Gipsbein” (1993) kannten die meisten wenigstens dem Titel nach. Brednich hatte auch keine Mühe, Material zu finden, denn nach Veröffentlichung des ersten Bandes “Die Spinne in der Yuccapalme” sandten ihm viele Leser neue Geschichten oder Varianten zu. Die Begeisterung für Brednichs Sammlungen verwies auf eine lebendige Erzählkultur, die bis dato im Verborgenen geblieben war. Viele Geschichten wurden mit einer Herkunftsangabe aus dem Verwandten- oder Freundeskreis versehen, um den Wahrheitsanspruch zu bekräftigen. Deshalb hießen die modernen Sagen auch FOAF (Friend of a Friend)-Tales. Einige Sagen gerieten sogar als Meldung in die Zeitung. Ich habe Rote Pumps aus einem Erzählprojekt im Teppichhaus Trithemius auf Trithemius.de hervorgekramt für das „Schreib-mit-Projekt des Kollegen Wortmischer. (Für weitere Texte und zum Mitmachen bitte Banner klicken!)
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Die Pumps der Psychologin

Rote Pumps waren schon immer geeignet, meine Sinne zu verwirren, und ich habe mich durchaus dadurch in Schwierigkeiten gebracht. Während meines Studiums war der Fachbereich Psychologie in Aachen völlig beherrscht von Behavioristen. Diese Richtung innerhalb der Psychologie war mir von Anfang an suspekt. Also habe ich die meisten Seminare geschwänzt. Meine Examensklausur habe ich zum Thema Kreativitätsforschung geschrieben. Als Prüferin suchte ich mir eine Dame Psychologin aus, die ich nur aus der Ferne kannte, und die mir aufgefallen war, weil sie fast immer rote Pumps trug. Obwohl sie meine Klausur notgedrungen mit Eins bewerten musste, war sie mir in der mündlichen Prüfung nicht gut gesonnen, unterbrach mich ständig und wechselte dauernd die Themenfelder. Offenbar wollte sie mich aus dem Konzept bringen, denn sie war wütend, mich prüfen zu müssen, obwohl sie mich aus dem Studium überhaupt nicht kannte. Insgeheim musste ich ihr Recht geben, weil mich doch ihre wissenschaftliche Arbeit überhaupt nicht interessiert hatte. Mir ging es nur um die roten Pumps. Jedenfalls hat sie mir erfolgreich die Einsernote versaut. Allerdings ist es tröstlich, dass in einer Psychologieprüfung immerhin noch ein Gut bekommen kann, wer sich nur für die roten Pumps einer Professorin interessiert.

Frau Lochmanns Jacke

rübenfeldWenn die Sonne hoch steht und das Land grell bescheint, setzt der Junge sich gern in den Schatten des Anhängers und wartet auf Züge. Es kommen nicht viele vorbei, und wann sie kommen, weiß niemand. Das Ereignis kündigt sich an, wenn das Vorsignal seinen Signalteller in die Waagerechte legt. Das scharrt, und dann springt der Kleine auf, bahnt sich einen Weg durch Holunderbüsche und Brombeerranken und setzt sich in die Böschung des Hohlwegs. Er kann ein gutes Stück der Strecke überblicken, bevor sie sich krümmt und aus seinem Blick verschwindet. Doch die Dampflok sieht er schon von weiter her, an den runden weißen Wolken, die über der Strecke aufquellen. Die Schienen unten künden als letzte das Nahen des Zuges an. Sie beginnen leise zu sirren, als wären sie in Hitze geraten. Donnern, Fauchen, Stampfen, Zischen, Rattern, Rattern, Rattern; hei, was für eine wilde Musik von Dampf und Eisen! Der Kleine springt auf, schwenkt sein Taschentuch, winkt in den Führerstand der Lok hinein, dem schwarzgesichtigen Heizer zu. Manch einer lächelt und lehnt mal kurz seinen Kopf aus dem kleinen Fenster. Dann die Waggons, einer nach dem anderen, und wie schön, wenn sich hinter den Fenstern eine Hand für ihn rührt. Wenn Güterzüge kommen, muss er Anhänger zählen. 80, 81, 82, 83, 83, – 94, 97, verzählt. Jetzt wird er in seinem ganzen Leben niemals mehr die richtige Zahl erfahren.

Gerne spielt er auch an kleinen Pfützen in der Karrenspur. Er gräbt einen Kanal und lässt die obere Pfütze leer laufen. Dann werden die Wasserflöhe von oben heimatlos. Das ist leider so.

Da taucht oben am Knipp seine Mutter aus dem Acker auf. Dauert es eine ganze Stunde bis sie bei ihm ist? Sie ist so langsam auf den Knien.

„Ach, hol doch mal die Jacke von Frau Lochmann und bring sie ihr!“

Frau Lochmanns Jacke ist blau. Er greift sie sich vom Kleiderhaufen und rennt los.
Zu seinen Füßen haben breite Knie eine staubige Spur hinterlassen, wo die Frauen durch die Reihen der jungen Rübenpflanzen gerutscht sind, um sie mit der Handhacke zu einzeln. In den Spuren welken die entwurzelten Pflänzchen. Es geht leicht bergan, dann wieder bergab. Ganz hinten am anderen Ende kriecht Frau Lochmann. Er läuft hin und gibt ihr die Jacke.
„Du bist aber ein lieber Junge!“, sagt sie und streift die Jacke über.

Es gefällt ihm hier. An diesem Ende des Rübenfelds war er noch nicht. Am Rain bricht er einen Holunderstock ab. Man kann mit einem Messer feine Muster in die Rinde schneiden. Das hat er bei seinem älteren Bruder schon gesehen. Er versucht es mit einem scharfen Stein, doch es gelingt nicht gut. Lieber macht er den Stock ganz blank. Wie er dort sitzt, fließt die Zeit vorbei, und erst spät erinnert er sich an seine Mutter. Auch Frau Lochmann ist nicht mehr zu sehen. Er rennt los. Hinter dem Knipp überholt er sie. Die anderen sitzen schon am Anhänger und kauen dicke Stullen aus Weißbrot, das die Bäuerin selber backt. Dazu gibt es Malzkaffee mit viel Milch aus der großen Töte. Den gießt die Bäuerin jedem ein, der seine blecherne Tasse hinhält.
„Wo warst du denn so lange?!“, fragt seine Mutter.
„Och, da hinten.“
„Wo da hinten?“
„Da hinten bei der Frau Arschloch!“

Der Knecht prustet in seine Tasse, und die Frauen juchzen auf.
„Bei der Frau Arschloch!“, wiederholen sie lachend,
„Da Hinten!“, ruft der Knecht und will sich schier nicht einkriegen vor Lachen. Dann müssen sie die Hände vor den Mund halten, denn Frau Lochmann hat sich gerade erhoben, klopft den Staub aus den Knieschonern und kommt heran.

Der Kleine guckt erstaunt. Was haben die denn? Da ist sie doch, – da, die Frau!
Meist zieht der Nachmittag sich lang. Die Frauen knien wie versteinert im Feld, über ihnen steigen die Lerchen auf, stehen fast still in der Luft und singen ihr eintöniges Tirili, das Wasser in den Pfützen ist schon hin und her geleitet, und ein Zug ist auch nicht in Sicht. Es kommt nie einer, wenn man sich danach sehnt. Da lernt er schon ein bisschen, dass die Zeit aufgehalten wird, wenn man sich sehnt. Und das macht einsam.

Wenn die Sonne endlich in die westliche Wolkenbank taucht, dann kommt der Bauer mit seinem Traktor gefahren. Er misst die Tagesleistung mit seinen Blicken aus, und dann ruft er die Frauen zum Gespann. Staubige Gestalten erheben sich aus dem Feld und kommen müde herüber. Ein Rest Kaffee ist noch da. Was nicht getrunken wird, kippen sie an den Wegesrand. Sie beladen den Wagen, die Frauen packen sich dazu, den Kleinen nehmen sie auch mit; die Rückfahrt beginnt. Nun wird allen der Weg ziemlich lang. Über den Wagen streicht ein kühler Wind, dem keine mehr viel entgegensetzen kann. Sie halten ihre Strickjacken vorne zusammen. Und der Kleine kauert sich zwischen die Strohballen. Zu Hause tut die Mutter Seife auf den Waschlappen und wäscht ihm die verdreckten Beine. Eine Welle von kleinen Stichen zieht über seine Haut, wo die Seife in die unzähligen winzigen Risse geht, die von den Strohhalmen kommen.

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Keine Hose – kein Gott

Er habe sich leider keine Hose kaufen können, obwohl sie stapelweise dort gelegen hätten, sagte Coster, der dubiose Professor der Pataphysik und Leiter des Instituts für Nachrichtengeräte an der RWTH Aachen. „Warum nicht?“ Im Kaufhaus bei den Regalen hätten zwei Verkäufer gestanden, ein junger und ein älterer. Und just als er, Coster, begonnen habe, sich für eine Hosensorte näher zu interessieren, da habe der junge den älteren gefragt: „Ihr habt euch also ein paar Mal gesehen, seid aber noch nicht zusammen.“
Da habe der andere losgelegt:
„Ich sage dir mal, was sie mir per SMS geschrieben hat:
Sie findet schön, dass ich träume, sie mag wie ich sie ansehe, …“

Das habe er aber nicht wissen wollen, sagte Coster, vor allem, nachdem er unvorsichtiger Weise aufgeblickt und dem Kerl ins Gesicht gesehen habe , der gerade leer lief wie ein angestochenes Fass, wobei er all die Intimitäten preisgab, die, wenn man sie rumerzählt, den Charakter von intimen Geständnissen verlieren und zu Banalitäten werden, die einen am Verstand des Menschen zweifeln lasse. Natürlich kenne er den Spruch: Wovon das Herz voll ist, geht der Mund über. Und es sei auch nicht ungewöhnlich, wenn man Herzensdinge einem Freund oder einer Freundin anvertraue, um sich in einem Konflikt rückzuversichern. Doch er sei ein Außenstehender gewesen, ein potentieller Kunde, der sich mit Hosenfragen beschäftigen wollte. Und außerdem habe ihm die Frau Leid getan, deren Gefühle und Bekenntnisse im offenen Hosenladen ausgestellt wurden.

Nun müsse er die Energie erneut aufbringen, die Schwelle eines Bekleidungsgeschäftes zu übertreten. Indem der Hosenverkäufer sprachlich inkontinent war, habe er in Costers Leben eingegriffen. Irgendwann werde er sich eine andere Hose kaufen, und da eine Hose die Erscheinung eines Menschen präge, werde sein zukünftiges Leben anders verlaufen. Denn es könnte sein, dass die Hose der zweiten Wahl ihm nicht ganz so gut passe oder nicht gut an ihm aussehe, mit all den Folgen, die unpassende Kleidung von innen und von außen betrachtet habe.

Diese Änderung seines Lebens habe jedoch eine vergessliche Bäckereifachverkäuferin verschuldet. Er habe einen Kaffee trinken und dazu etwas essen wollen. Die Verkäuferin im Bäckereicafé habe gesagt, sie müsse sein vegetarisches Wrap in der Küche bestellen. Es werde jedoch nur drei Minuten dauern. Darum habe er einen großen Kaffee bestellt und sich schon einmal an einen Tisch gesetzt, von dem man so hübsch auf den Münsterplatz schauen könne. Allerdings habe er den großen Kaffee nach und nach austrinken müssen, denn sein Wrap kam und kam nicht. Irgendwann habe er nachgefragt, und siehe da, die Bäckereifachverkäuferin sah ihn mit großen Augen an und entschuldigte sich für ihre Vergesslichkeit. Zur Entschädigung habe sie ihm eine kleine Tasse Kaffee spendiert. Als er aus dem Café trat, dämmerte es bereits, er sei also viel länger als üblich im Café gewesen. Deshalb sei er auch viel später als geplant im Kaufhaus angelangt, mit all den geschilderten Folgen. Nun habe er keine neue Hose und zuviel Kaffee getrunken, die kleine Tasse gar zu spät. Folglich werde er am Abend nicht einschlafen können, dadurch später als gewohnt aufwachen, und das würde alles Weitere seines Lebens determinieren.

Hier schloss Coster eine philosophische Überlegung an. Allein die geschilderte Verkettung der Ereignisse zeige plausibel auf, wie die Kleinigkeiten des Lebens den weiteren Verlauf des Weltenlaufs bestimmen. In diesem Sinne sei ein jeder Lebensweg unwägbar und nicht vorauszusehen, denn er werde unablässig von Ereignissen in der inneren und äußeren Welt des Menschen ausformuliert. Das eigene Ich sei ebenfalls Ergebnis solcher Prozesse. Eine Winzigkeit beim Zeugungsakt, ein mühsam erkämpftes Obsiegen eines bestimmten Spermiums lege fest, welcher Mensch, welches Ich auf die Welt käme. Einstein, Leonardo, Karl der Große, die Religionsstifter der großen Religionen, – es sei der pure Zufall, dass just sie geboren sind und nicht ihre potentiellen Brüder und Schwestern.

Ob ich aus seiner Darlegung irgendetwas gewinnen könne, müsse ich selbst wissen, schloss Coster. Er jedenfalls schließe daraus, dass es nicht Festes gebe in der Welt, nur ein unablässiges Wimmeln. Und gäbe es einen Gott, der Teil des Ganzen wäre, dann wimmele er auch. Sei er aber nicht Teil des Ganzen, könne er nicht in die Geschicke der Welt eingreifen, wäre mithin kein Gott.

„Holla! Dieser Coster ist gefährlich“, sagte ich, „weil er keine neue Hose bekommen hat, dekonstruiert er mal eben den Schöpfergott.“

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Hervorgekramt: ein Paar Ärmelhalter

In meiner Kramlade liegt ein Paar weinrote Ärmelhalter. Sie sind aus Stretch, haben auch je einen verchromten Clip, mit dem sie sich enger oder weiter stellen lassen. Ärmelhalter sind aus der Zeit gefallen wie auch der Laden, aus dem sie stammen.
aermelhalterMein Ärmel und sein Halter – Foto: Trithemius

Bis vor einigen Jahre gab es in Aachens Altstadt einen seltsamen Laden für Haushaltswaren. Seine Schaufenster waren mit Textilien, Tischdecken, Handtüchern und diversen Kleinutensilien dekoriert, die allesamt aus den 50ern zu stammen schienen.  Die Ladenbesitzerin, eine schmale, traurige Frau, die grauen Haare zu einem Knoten gebunden, stand fast immer vor ihrem Laden und schaute erwartungsvoll zum Ende des Platzes hin. Sie trug bei jedem Wetter dicke braune Strümpfe unter der Kittelschürze. Die neugierige Lisette hatte irgendwann die Geschichte der Alten herausgefunden. Ich konnte sie nicht verifizieren, sondern gebe sie wieder, wie Lisette sie erzählt hat: Das Textilwarengeschäft hatte die Frau kurz nach dem Krieg zusammen mit ihrem Mann geführt. Die beiden hatten es als junges Ehepaar übernommen. Der Mann jedoch war eines Tages verschwunden und nicht mehr zurückgekommen. Vielleicht war er zur Fremdenlegion gegangen. Das hatten viele Männer in den 50ern getan, die sich nach dem Krieg nicht mehr in eine zivile Gesellschaft eingewöhnen konnten. Seither wartete die Frau auf ihren Mann. Stand vor dem Laden und wartete. Und sie ließ das Geschäft, wie es zu ihren gemeinsamen Zeiten gewesen war.

Man sah fast niemals Leute in den Laden gehen. Lisette hat mich einmal hineingezerrt. Wir durchschritten die Ladentür und traten in eine stille, ruhige Zeit. Im Laden brannte kein Licht. Er lag im Halbdunkeln. Der Boden hatte schöne alte Fliesen in einem Muster, das längst vergessen war. In den dunklen Holzregalen an den Wänden lagen die Dinge wie mit einem Lineal geordnet. Hier gab es offenbar keinen großen Warenumsatz. Als die altertümliche Ladenklingel schon lange verhallt war, kam die Frau durch eine rückwärtige offene Tür hinter die Theke. Sie sprach leise und wartete geduldig, als Lisette sagte, sie wolle sich nur ein bisschen umschauen.

Ich stand schweigend dabei und fühlte mich unwohl. Doch der düstere Zauber des Ladens umfing auch mich. Es waren da keine Dinge, die man hätte gebrauchen können. Am Ende brachte Lisette es nicht übers Herz, so einfach zu gehen, und kaufte mir die weinroten Ärmelhalter. Die Frau steckte die Ärmelhalter in ein zerknittertes weißes Tütchen. Mir kam es vor wie ein Kaufladenspiel vergangener Zeiten. Es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn Lisette Spielgeld gezückt und die Frau es akzeptiert hätte.

Dann waren beim Laden einige Jahre die Rollläden heruntergelassen, alte Holzrolläden, deren blaßgrüner Lack in Blasen abgeplatzt war. Inzwischen ist der Laden verschwunden wie damals der Mann und 60 Jahre später die Frau.

Ich habe die Ärmelhalter manchmal getragen, hab sie über meine Hemdärmel geschoben und fühlte mich wie ein Schreiber aus dem 19. Jahrhundert, der nicht wollte, dass die Manschette ihm die Tinte verwischte. Dazu diente der Halter auf der Seite der Schreibhand. Der auf der anderen Seite war nur da, um das optische Gleichgewicht zu sichern. Da in den Kantoren und Büros nicht mehr mit der Hand geschrieben wird, sind Ärmelhalter aus dem Gebrauch gekommen. Eigentlich hätten sie demnach alle Voraussetzungen, modische Accessoires zu werden.

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Die Badelatschen

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Vorweg will ich meine Badelatschen loben, denn sie waren ein Geschenk. Und ich will nicht undankbar sein. Sie sehen schön aus und wenn ich sie mit Ruhe und Bedacht behandele, erfüllen sie ihren Zweck. Aber leider bin ich ein ungeduldiger Mensch. Ich will den Objekten, die mir dienen sollen, nicht zuviel Aufmerksamkeit, vor allem nicht zuviel meiner Lebenszeit schenken. Es ist schließlich so: Meine Badelatschen beispielsweise werden mich gewiss überleben, denn sie sind aus unverwüstlichem Kunststoff unbekannter Herkunft. Ich hingegen bin aus biologisch abbaubarem Material, das schon unmittelbar nach meiner Geburt mit dem Abbau seiner selbst begonnen hat. Folglich erwarte ich von Objekten, die mir dienen sollen, selbst aber schier unverwüstlich sind, dass sie spuren und mir keine Lebenszeit stehlen.

Ich weiß nicht, ob Latschen-Ingenieure, Designer oder ungelernte Schuhmacher meine Latschen entworfen haben. Jedenfalls denke ich mir, wenn man Latschen machen kann, die sich stets gegen den Willen ihres Nutzers verhalten, die quasi die Verkörperung von Murphys Gesetz sind, nach dem schief geht, was schief gehen kann, wenn man solche Latschen machen kann, die nie und nimmer das tun, was ich will, müsste man auch das komplette Gegenteil gestalten können.

Die Latschen stehen neben meinem Bett. Ich will sie mit dem Fuß wegschieben, um barfuß aufzustehen. Einer rutscht zur Seite, der andere aber überschlägt sich und bleibt mit der Sohle nach oben liegen. Ich gebe ihm noch einen Tritt. Er dreht sich, legt sich jetzt aber auf den anderen Latschen als wollte er ihn begatten. Also muss ich mich nach den beiden bücken, sie aufnehmen und zur Seite stellen. Wie sie auf den Boden auftreffen, schnellt einer hoch und landet ein Stück weiter, natürlich nicht parallel zum anderen, sondern in Spreizfußstellung, so dass ich, jetzt vollends ungeduldig, mit dem linken Fuß drauftrete, aber mit der halben Fußsohle, was weh tut und mich stolpern lässt. Wenn ich die Latschen aber anziehen will, sind sie weit unters Bett gerutscht, so dass ich mich über Gebühr nach ihnen bücken muss und mir glatt schwindlig wird so vor dem ersten Kaffee. Hineinschlüpfen mit dem Fuß kann ich nicht. Ich muss den Latschen vorne fixieren, gegen ein Stuhlbein etwa drücken, damit er meinen Fuß überhaupt hineinlässt. Ist der Fuß aber drin, lässt der Latschen ihn nicht mehr raus, sondern saugt sich beharrlich an meinem Spann fest.

Das Wort Latschen ist ein substantiviertes Verb, was wiederum laut Duden „laut- und bewegungsnachahmend“ ist, nämlich „(salopp) [langsam schlurfend, schwerfällig oder nachlässig] gehen“ meint. Da zeigt ja schon das Wort, dass Badelatschen nicht zum vernünftigen Gehen gedacht sind. Und noch etwas sollte uns zu denken geben: Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt. Vielleicht gilt das auch für die Latschen selbst. Vielleicht haben menschenähnliche Außerirdische sie für ihr eigenen fußähnlichen Gehwerkzeuge entworfen und nur weils wieder einen schweren Ausnahmefehler in galaktischen Betriebssystem gab, ist dieses außerirdische Schuhwerk über dem Erdball abgeworfen worden. Also die Füße, für die Badelatschen eigentlich gemacht sind, wollte ich lieber nicht sehen.

Erinnerungen an Lisette – ab heute wieder erlaubt

lisette2Lisette? Sie lebt jetzt ein ganz anderes Leben. Und ich bin ja weggezogen. Unsere Trennung liegt jetzt zehn Jahre zurück. Vor einem Jahr habe ich sie noch mal getroffen. Sie ist schön wie eh und je. Da wollte sie nichts mehr wissen von der großen Liebe, die mal zwischen uns war, meinte, es wäre ja alles nur Sex gewesen. Aber ich habe noch dieses Lied, das mir Bilder in den Kopf setzt, wie wir es im Bett liegend gehört hatten, nebeneinander in wunderbarem Einvernehmen im Fluss unserer Gedanken. Und ich erinnere mich, wie sie sich an meinem Geburtstag über ein Geschenk freute, das sie für mich gekauft hatte, und derweil ich es auspackte vor lauter Übermut einen Kopfstand an meinem Bücherregal gemacht hat. Und da ist noch die Zimmerpalme, die ich Josie getauft habe. Mit dieser Palme, auch einem Geschenk von Lisette, habe ich eine seltsam innige Verbindung. Später werde ich mal davon berichten, weil Josie auch Einfluss auf mein Schreiben hat. Heute geht es um „Instant Street“.

Mit, besser zu diesem Lied der belgischen Rockgruppe dEUS habe ich vor Jahren ein Video gemacht. Als ich gerade in Hannover war, habe ich die Gegend mit dem Fahrrad erkundet und einiges vom Rad aus gefilmt. Es war nicht so einfach, denn ich hielt die Kamera mit einer Hand. Das Video war eine Weile nicht in Deutschland zu sehen, weil ich dreist die urheberrechtlichen Ansprüche von dEUS verletzt hatte.

Gestern bekam ich eine erfreuliche E-Mail, die in der Fülle der Kommentarbenachrichtigungen beinah untergegangen wäre. YouTube schrieb mir, der „urheberrechtliche Anspruch auf dein Video dEUS – Instant Street wurde zurückgezogen.“

Deshalb kann ich es heute im Teestübchen zeigen. Das Video wurde schon fast 53.000 mal angesehen. Es ist eigentlich eine Fahrt „zwischen Leine und Maschsee“ durch den Vorfrühling. Instant Street beginnt verhalten und melodisch, um dann in seinem zweiten Teil immer wilder und rauschhafter zu werden. Die Musik hat etwas absichtsvoll Schräges, das mir gut gefällt. Es ist noch eine Weile hin zum Vorfrühling, aber das heutige Wetter ist ein Versprechen darauf. Dazu viel Vergnügen!