Erinnerungen an Lisette – ab heute wieder erlaubt

lisette2Lisette? Sie lebt jetzt ein ganz anderes Leben. Und ich bin ja weggezogen. Unsere Trennung liegt jetzt zehn Jahre zurück. Vor einem Jahr habe ich sie noch mal getroffen. Sie ist schön wie eh und je. Da wollte sie nichts mehr wissen von der großen Liebe, die mal zwischen uns war, meinte, es wäre ja alles nur Sex gewesen. Aber ich habe noch dieses Lied, das mir Bilder in den Kopf setzt, wie wir es im Bett liegend gehört hatten, nebeneinander in wunderbarem Einvernehmen im Fluss unserer Gedanken. Und ich erinnere mich, wie sie sich an meinem Geburtstag über ein Geschenk freute, das sie für mich gekauft hatte, und derweil ich es auspackte vor lauter Übermut einen Kopfstand an meinem Bücherregal gemacht hat. Und da ist noch die Zimmerpalme, die ich Josie getauft habe. Mit dieser Palme, auch einem Geschenk von Lisette, habe ich eine seltsam innige Verbindung. Später werde ich mal davon berichten, weil Josie auch Einfluss auf mein Schreiben hat. Heute geht es um „Instant Street“.

Mit, besser zu diesem Lied der belgischen Rockgruppe dEUS habe ich vor Jahren ein Video gemacht. Als ich gerade in Hannover war, habe ich die Gegend mit dem Fahrrad erkundet und einiges vom Rad aus gefilmt. Es war nicht so einfach, denn ich hielt die Kamera mit einer Hand. Das Video war eine Weile nicht in Deutschland zu sehen, weil ich dreist die urheberrechtlichen Ansprüche von dEUS verletzt hatte.

Gestern bekam ich eine erfreuliche E-Mail, die in der Fülle der Kommentarbenachrichtigungen beinah untergegangen wäre. YouTube schrieb mir, der „urheberrechtliche Anspruch auf dein Video dEUS – Instant Street wurde zurückgezogen.“

Deshalb kann ich es heute im Teestübchen zeigen. Das Video wurde schon fast 53.000 mal angesehen. Es ist eigentlich eine Fahrt „zwischen Leine und Maschsee“ durch den Vorfrühling. Instant Street beginnt verhalten und melodisch, um dann in seinem zweiten Teil immer wilder und rauschhafter zu werden. Die Musik hat etwas absichtsvoll Schräges, das mir gut gefällt. Es ist noch eine Weile hin zum Vorfrühling, aber das heutige Wetter ist ein Versprechen darauf. Dazu viel Vergnügen!

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19 Kommentare zu “Erinnerungen an Lisette – ab heute wieder erlaubt

  1. So ist es manchmal, Erinnerungen fallen ganz verschieden aus. Ich habe auch noch eine Pflanze vom Vater meiner Tochter, die halte ich in Ehren. Das Video ist toll gemacht, mich hätte es bestimmt 100 x hingebrettert beim Filmen. Die Gruppe kenne ich nicht, mir fiel sofort Steppenwolf, the Pusher ein. Born to be wild wäre auch eine gute Musik für eine Tour wie diese.

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    • Danke für das Lob meines Videos. Heute bin ich nicht mehr so sicher auf dem Rad. Bei der engen Brücke (3:00) würde ich mich einhändig fahrend und filmend nicht mehr durch trauen. Zum Video passt eventuell auch andere Musik, aber nicht zu mir und meinen Erinnerungen. Du tauschst die in Ehren gehaltene Pflanze ja auch nicht gegen einen x-beliebigen Kaktus. 😉

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    • Dankeschön! Ich habe mir beim Schnitt auch viel Arbeit gemacht, damit Bild und Musik korrespondieren. Bei dem Ruderboot auf dem Maschsee ist schade, dass ich es nur kurz im Bild hatte, aber indem ich schneller fuhr, verrutschte mir der Bildausschnitt..

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  2. dEUS find ich gut, die Idee find ich gut, ruckelige Bilder einer zum Teil mir bekannten Strecke zu schönschräger Musik find ich gut … danke dafür!
    … gleich mal dEUS-Scheiben rauskramen.

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    • Dass dEUS auch bei Exterristischen bekannt ist, freut mich. Bei Instant Street spielt noch die alte Besetzung mit dem genialen Stef Kamil Carlens, der 1996 ausstieg und Zita Zwoon gründete. Ich glaube, er singt bei Instant Street die 2. Stimme.

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  3. Bei manchen Texten hänge ich erschreckend lange im Kommentarfeld und schaffe es auch beim fünften Anlauf nicht etwas vernünftiges zu schreiben.

    Beim sechsten auch nicht. Meistens passiert mir das, wenn mir etwas besonders gut gefällt. Es einen bestimmten Nerv trifft oder wenn ich den Inhalt für ziemlichen Mist halte und überlege ob das sagen darf. Letzteres kann ich ausschließen.
    ….
    Im siebten Anlauf gebe ich auf und hinterlasse dir nur ein „ich mag´s, lieber Jules“. Das Video mit seinem Charme. Und den Tonfall der Erinnerung an übermütige Kopfstände und Menschen die ihren Zimmerpflanzen die Namen haben, mag ich auch.

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    • Liebe Mitzi,

      solche Nöte kenne ich. Man will ja keinen Unsinn schreiben. Manchmal fühle ich mich, als müsste ich jedesmal eine Sorte Besinnungsaufsatz schreiben. Das ist natürlich übertrieben, aber was du schilderst, sind völlig neue Nöte in der schriftsprachlichen Kommunikation. Mit der Zeit entwickelt sich glücklicherweise auch hier Geläufigkeit, vor allem, wenn man so geschickt mit Sprache umgehen kann wie du. Dein 7.Anlauf ist glücklicher Weise gelungen. Es freut mich, dass und was du magst. Bevor ich den Beitrag geschrieben habe, fand ich auf meiner Festplatte einen Text von 154 Buchseiten, also fast fertigen Roman über die oben angedeutete Zeit. Vielleicht ist jetzt genug Zeit verstrichen, ihn fertig zu stellen. Zumindest die Neunerregel des Horaz ist eingehalten: „Neun Jahre werde es (das Manuskript) zurückgehalten, um zu prüfen, ob es etwas tauge.“

      Vielen Dank für deinen Kommentar!

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      • Neun Jahre scheinen eine gute Zeitspanne zu sein. Dass du den Text noch immer hast, spricht für ihn, meinst du nicht?
        Einen schönen Sonntag und danke für die Milde (im letzten Satz ist es dann doch Unsinn geworden – aber du hast es dir bestimmt heraus gefiltert).

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  4. Lieber Jules,
    der Artikel geht mir nahe. Dazu möchte ich aber jetzt nicht mehr sagen.
    Mit dem Video haben Sie mir eine besondere Freude gemacht. Auch wenn ich als alter Hannoveraner jeden (Rad)weg kenne und ihn schon selbst mehrfach gefahren bin, ist es immer wieder eine besondere Freude, Bekanntes durch die Augen eines anderen Menschen zu sehen.
    Wie es ja auch etwas „Besonderes“ ist, abends im Fernsehen im Laufe eines Berichtes, plötzlich die eigene Straße oder den eigenen Statteil zu sehen.
    Gruß Heinrich
    P.S. Musik „Spitze!“

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    • Lieber Heinrich,
      das Video ist aus der Begeisterung für Hannovers Gewässer entstanden, denn ich war im Dezember 2008 aus Aachen hergezogen. Aachen bedeutet zwar Wasser, hat aber keine oberirdischen Gewässer. Heute scheint es fast eine Liebeserklärung an Hannover zu sein, denn nach jetzt sieben Jahren fühle ich mich endlich ein bisschen heimisch. Es freut mich, dass Sie genießen können, wie ich Ihr Hannover ins Bild gesetzt habe und auch die Musik zu würdigen wissen.
      Lieben Gruß,
      Jules

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  5. Pingback: Zerbrochener Marmor – #Kramladengeschichten

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