Dämliches aus der Deppenrepublik – Über Orthographie und Unterwerfung

Ich bin wütend, meine lieben Damen und Herren, wütend, weil mir einer den saublöden Spruch „Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich“ vor die Nase gehalten hat und auch noch glaubte, etwas Sinnvolles zur hier geführten Diskussion über Orthographie beigetragen zu haben. Mit Verlaub, man kann auch einen Bären zanken. Dieser Mensch, ich gebe es zu, kann nichts dafür. Er war auch mal ein hoffnungsfrohes Kindlein, das in die Mühlen einer dummen Droh-und-Schmäh-Pädagogik geraten ist, und weiß es nicht besser. Hat sich nie zu fragen getraut, ja, warum denn nicht? Warum bin ich dämlich, wenn ich nämlich mit h schreibe? Ist nicht vielmehr der dämlich, der alles ungeprüft hinnimmt, weil er glaubt, Moses höchstpersönlich hätte unsere Orthographie auf steinernen Gesetzestafeln vom Berge Sinai heruntergeschleppt? Davon steht in der Bibel nichts? Ist die Orthographie etwa nicht vom Himmel gefallen? Woher kommt sie dann?

„Ich weis schier nicht, was daraus werden will zu letzt, ich zu meinem theyl wais schier nicht, wie ich meine Schulers leren sol, der vrsachen halben, das yetzunder, wo ynser drey oder vier Deutsche schreibers zusamen koment, hat yeder ein sonderlichen gebrauch. Der ein schreibt ch, der andere c, der dritte k, wollte Gott, dass es darhyn komen möchte, das die Kunst des schreibens einmal wieder in rechten prauch komen möchte“,

schreibt der Schreibmeister Hans Fabritius im Jahr 1531 in seinem Büchlein: etlicher gleichstymender worther, aber ungleichs Verstandes. An diesem Stoßseufzer ist der Wunsch nach einer einheitlichen Orthographie ablesbar. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Orthographie noch in den Händen der Schreibmeister lag, das heißt, das Formen der Buchstaben (Kalligraphie) und der Wortgestalt (Orthographie) waren noch eins. Ähnliches galt für die Drucker und Schriftsetzer. Sie entschieden, wie ein Druckwerk auszusehen hatte (Typographie) und wie die Schreibweise zu sein hatte (Orthographie).

Es ist also in den Anfängen unserer Schriftsprache recht wüst zugegangen. Selbst innerhalb eines Textes konnte ein Wort mal so, mal so geschrieben werden. Abschreiber oder Schriftsetzer, die ja beide auf Geschwindigkeit aus waren, konnten wohl kaum unter solchen Bedingungen System in ihre Orthographie bringen. Die Rückkehr zu einem „rechten Gebrauch“ wie Fabritius sie von Gott erbittet, war sowieso unmöglich, da es diesen rechten Gebrauch zuvor nie gegeben hat. Es ist geradezu ein Wunder, dass sich überhaupt etwas wie eine einheitliche Orthographie hat entwickeln lassen. Konrad Duden kommt das Verdienst zu, diese Herkulesaufgabe bewältigt zu haben und Ordnung in diesen Wust an Willkür von Schreibweisen, zu bringen, in die „wertlosen Einfälle von Schreiberknechten“, wie der dänische Linguist Otto Jespersen schreibt, aber auch zu wählen aus der Fülle der Varianten in den Hausorthographien der Kontore, Druckereien, Schulen und Universitäten. Natürlich hat es vor Duden schon ausgearbeitete Orthographien gegeben, beginnend mit der Verbreitung des Buchdrucks. Beispielsweise (unvollständige Auswahl aus: Nerius, Dieter, Hrsg.: Deutsche Orthographie (1987):

Johann Rudolf Sattler (1617): Teutsche Orthographey und Phraesologey;
Justus Georg Schottel (1663): Ausführliche Arbeit von der Teutschen Haubt Sprache;
Johann Christoph Gottsched (1748): Grundlegung einer Deutschen Sprachkunst;
Friedrich Gottlieb Klopstock (1778: Über deutsche Rechtschreibung;
Johann Christoph Adelung (1788): Vollständige Anweisung zur deutschen Orthographie;
Johann Christian August Heyse (1814): Ausführliches Lehrbuch der deutschen Sprache;
Rudolf v. Raumer (1855): Ueber deutsche Rechtschreibung.

Das Problem waren nicht die vielen Vorläufer unserer Orthographie, sondern es war die “Buntscheckigkeit” (Konrad Duden), bedingt durch eine fehlende Allgemeingültigkeit.

Dass es einen „rechten Gebrauch“ der Schreibkunst in der Vergangenheit nicht gegeben und auch Gott sich nicht um unsere Orthographie bemüht hat, ist gewiss für manchen eine Ernüchterung, geradezu eine Entzauberung der Orthographie. Die Idee von einer einzig richtigen Wortgestalt hat sprachmagische Wurzeln. Vermutlich liegt hier eine Übertragung vom Ur-Hebräischen auf die Alphabetschrift vor. In der hebräischen Mythologie gibt es die Vorstellung von den wahren Bezeichnungen für die Dinge, deren Form durch Laut und Schrift bestimmt ist. Da dort die Buchstaben gleichzeitig Zahlzeichen sind und diese Zahlzeichen die wahren Verhältnisse und Proportionen der Schöpfung bezeichnen, darf an der Form der Wörter natürlich nichts geändert werden. Dieses magische Verhältnis schwingt mit bei der Idee einer „richtigen“, naturgegebenen Schreibweise und drückt sich auch aus in dem Wort „Rechtschreibung“, wie eben recht und richtig geschrieben wird. Demgemäß ist die Fixierung auf Orthographie primitiver Wortaberglaube.

Überdies kommt es durch die Vertrautheit mit Wortbildern zu einer Gleichsetzung von Form und Inhalt, die bildhafte Vorstellung wird quasi übermächtig und prägt Konnotationen². So behauptete einmal ein Leserbriefschreiber in der FAZ, das Wort Meer dürfe man nicht seines Doppelvokals berauben. Ohne das Dehnungszeichen „ee“ würde „Meer“ den Eindruck der Weite nicht mehr vermitteln. Man kann diese Behauptung leicht widerlegen. In Wahrheit geht es hier um Gewöhnung an ein Wortbild. Beim Wort „Wal“ fehlt beispielsweise ein Dehnungszeichen. Trotzdem denkt man beim Lesen von „Wal“ an ein ziemlich großes Säugetier. Nach der Theorie des Leserbriefschreibers müssten wir „Waal“ schreiben. Auch kann ein Tal sehr tief und weit sein. Wäre Taal in Angleichung an den ähnlichen Laut in “Saal” wirklich passender?

Das Festhalten an einer bestimmten Schreibweise ist völlig legitim. Der einfache Schriftbenutzer unterwirft sich einem vertrauten Wortbild. Er wird jede Veränderung, auch eine objektive Verbesserung subjektiv zunächst als Verschlechterung erleben, weil sie seine Vorstellungen zerstört und ihm die Schrift entfremdet.

Der Vorläufer des heutigen Rechtschreibdudens ist der sogenannte Buchdruckerduden. Über dessen Entstehung schreibt Konrad Duden:

„Bald nachdem die auf Grund der Beschlüsse der Orthographischen Konferenz vom Juni 1901 veröffentlichten Regelbücher für die neue deutsche Rechtschreibung erschienen waren, hielten im Juni 1902 in Konstanz die Vertreter der Buchdruckereivereine Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ihre regelmäßige Jahresversammlung ab. Bei dieser Gelegenheit sprach man sich einstimmig dafür aus, dass die neue Rechtschreibung für die Buchdrucker große Schwierigkeiten schaffe, indem sie in zahlreichen Fällen zwei Schreibungen als gleichberechtigt zur Verfügung stelle.“ Das aber behindere den Arbeitsprozess und zwinge die Druckereien zu einer eigenen Hausorthographie, was, so Duden weiter, „zu einer buntscheckigen Gestaltung unserer Rechtschreibung führen müsse.“

(Nebenbei: Es wäre zu wünschen, der Oberlehrer der Deutschen hätte einen eleganteren Stil geschrieben, denn dass man sich „einstimmig“ für „große Schwierigkeiten“ ausgesprochen habe, ist ein herrlicher Quatsch.)

Mit einer erneut drohenden buntscheckigen Rechtschreibung sah Duden seinen Traum von „der „Alleinherrschaft“ seiner Orthographie „in ganz Deutschland“ gefährdet. Auch schuldete er den Verlegern und Druckern Dank, denn ohne deren Unterstützung hätte sich seine Einheitsorthographie nicht durchsetzen können. Deshalb entsprach er dem Wunsch der Buchdruckereiverbände nach einem Wörterbuch, in dem die meisten Doppelformen getilgt waren.

Der erste Buchdruckerduden erschien bereits 1903; seine 9. Ausgabe von 1915 verschmolz mit dem bis dahin parallel erscheinenden Orthographischen Wörterbuch. Der heutige DUDEN war geboren, Konrad Duden selbst am 1. 8. 1911, 82jährig, verstorben.

Hatte im Vorwort des Buchdruckerdudens noch Dudens Mahnung gestanden: dass die Entscheidung für eine von zwei oder drei durch das amtliche Regelbuch zur Verfügung gestellten Schreibungen keineswegs die nicht gewählten als minderwertig bezeichnen soll, bewirkte die Festlegung in der Praxis, dass die meisten Doppelformen verschwanden. Die Folge war eine zunehmende Gängelung der Schreibenden, die durch eifrige Schriftsetzer und Korrektoren vorangetrieben wurde.

Über Jahrzehnte hinweg dankten die jeweiligen Dudenredaktionen in ihren Vorworten den Korrektorenverbänden für die zahlreichen Anregungen, die sich aus dem täglichen Umgang der Korrektoren mit dem Duden ergeben haben.

1964 klagt der Germanist Weisgerber:

„Dem Buchdruck (…) von orthographischer Toleranz zu predigen, ist ein aussichtsloses Beginnen. Die Drucker sind noch heute auf die Beseitigung der letzten Doppel- und Zweifelsformen aus.“

Weisgerbers Resignation wirft ein Licht auf das Verhältnis der Sprachwissenschaft zur damals amtlichen Orthographie. Dudenredaktion und Druckereiverbände hatten die Rechtschreibung dem ordnenden Zugriff der Sprachwissenschaft entzogen.

Dieser Umstand wurde bei den heftigen Diskussionen um die Orthographiereform übersehen. Kaum jemand mag einer Kommission die Berechtigung einräumen, reformierend auf die deutsche Rechtschreibung Einfluss zu nehmen. Das ist verständlich, denn die Schriftsprache gehört allen, die sich ihrer bedienen. Die ständigen Eingriffe der Dudenredaktionen und der zuarbeitenden Korrektoren hat man dagegen fast ein Jahrhundert lang kritik- und klaglos hingenommen.

So ist es nicht ohne Komik, wenn die zum Teil willkürlichen Festschreibungen der Vergangenheit als ureigenster Bestand unserer Schriftsprache gegen jede Reformbemühung verteidigt werden. Nicht zu entschuldigen ist jedoch die dilettantische Weise, in der die jetzige Reform durchgeführt wurde und erst recht nicht zu entschuldigen sind die unsinnigen Regeln der Zusammen- und Getrenntschreibung. Aber ein bisschen mehr orthographische Toleranz würde uns allen guttun.

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27 Kommentare zu “Dämliches aus der Deppenrepublik – Über Orthographie und Unterwerfung

  1. das empfinde ich auch. Ich habe nicht in Deutschland gelebt, als es zur Reform kam. Dementsprechend habe ich mir zwar einen neuen Duden gekauft, der zwischenzeitlich hinfällig wurde, weil er an Aktualität verlor, und mich dann zu völliger Verwirrung gebracht hat. Und ich war der deutschen Rechtschreibung einmal sehr sicher! Und auch daran interessiert. Jetzt lässt es mich kalt. Irgendwann, irgendwo war das, was ich schreibe einmal korrekt 😉

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    • Mich regt es auf, wenn manche ihren Mitmenschen den Duden um die Ohren hauen. Desgleichen finde ich es unmöglich, jemanden einen Deppen zu nennen (wie in den Prägungen „Deppenapostroph“ und „Deppenleerzeichen“), weil er etwas nicht weiß, was professionelle Schriftbenutzer wissen bzw., wissen sollten, denn sie allein haben Vorbildfunktion.

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  2. Ich wollte schon mal ein Buch über Besserwisser und Klugscheißer schreiben. Ich habe es verworfen. Erstens hätte ich mich dann bei den Protagonisten einreihen müssen, zweitens hätte jemand, der es besser weiß, mein Buch korrekturlesen müssen

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  3. An dem Meer-Beispiel sieht man, wie schnell Gewohnheit mit Vernunft verwechselt wird. Nur weil etwas gewöhnlich so oder so praktiziert wird, glauben einige, dass es dafür auch einen vernünftigen Grund geben müsse. Darin zeigt sich auch, wie wenig die Menschen auf ihr eignes Urteil und ihre eignen Ansichten geben. Wieso eben reicht es nicht zu sagen, dass man sich daran gewöhnt habe, es so oder so zu tun, und das man es deshalb so beibehalten wolle? Vielleicht wirkt es vielen zu bäuerlich, Tradition und Gewohnheit als Grund anzugeben. Es wäre jedoch weitaus ehrlicher, als solche halbgaren Ansichten als Quelle für das eigne Wollen anzugeben.

    Noch eine kleine Nebensächlichkeit, an die ich mich erinnern musste: Ein Nachhilfeschüler kam mal zu mir und sagte: Ich habe einen Mitschüler, der ist dumm, er sagt, wer nämlich mit h schreibt ist dämlich, worauf hin ich verwundert einwandte, dass nämlich korrekt aber ohne h geschrieben würde. Darauf hin schrieb er mir das Wort (korrekt) an die Tafel und bat mich, die hs zu zählen, und erläuterte dann, dass es wohl nur darum ginge, ob man nämlich mit einem oder mit zwei hs schreibe.
    Merke: Es gibt immer noch einen größeren Klugscheißer, wobei dieser ja als Ehrenretter für all jene auftrat, die unter dem Geschwätz der Sprachbesserwisser zu leiden hatten, auch wenn er sich selbst zu einem machte.

    Liebe Grüße!

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  4. Der ursprüngliche Text ist mir nach dem Lesen der Diskussionen in den Kommentaren kaum noch in Erinnerung. Die Teile, die es noch sind, waren inhaltlich (wie du ja angemerkt hast) richtig und die Bilder amüsant, weil sogar für mich als falsch geschrieben erkennbar. Mir geht das ständige Verbessern und Klugscheißen gewaltig auf die Nerven. Ja, es wird falsch angewendet. Aber jemand der mich in der Stadt auf jeden Fehler hinweist, geht mir deutlich mehr auf die Nerven. Genauso finde ich es sehr nett und lieb, wenn man mich auf Tippfehler hinweist. Nicht lieb, sondern unverschämt ist, dass ich seit Beginn meines Blogs nach ausnahmslos jedem Beitrag eine E-Mail mit einer korrigierten Fassung bekomme. Irgendwann antworte ich dem Absender und werde künftig einen Leser weniger haben.

    Deinen letzten Satz unterschreiben ich. Ein bisschen mehr Toleranz würde uns allen guttun. Auch orthographische.
    Neben all den Aufregern in den Kommentaren ist dein Text inhaltlich interessant. Schade eigentlich, dass die Weite des Meeres in seiner Schreibweise widerlegt wurde. Bevor ich weiterlas war ich versucht zu nicken und zuzustimmen.

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    • Leider ist das Thema nicht so kurz abzuhandeln, dass der von dir genannte Effekt nicht eintritt. Oder ich kanns nicht in der gebotenen Kürze machen, weil ich Begründungszusammenhänge aufzeigen will. Zu der begrüßenswerten Demokratisierung der technischen Schrift gehört eben auch eine Demokratisierung der Orthographie. Besonders die professionellen Schreiber haben das nicht gerne, weil sie auch ein Stück Deutungshoheit einbüßen. Die Dudenredaktion hat sich nach eigenem Bekunden immer nach dem Entscheid der Gemeinschaft der kompetenten Schreiber und Leser gerichtet, wenn es darum ging, neue Wörter in die amtlichen Regeln zu integrieren. Dass diese Gemeinschaft durch das Medium Blog größer geworden ist, muss man akzeptieren.
      Im Printmedium gelten eben noch die alten Regeln. Wenn dir ständig einer korrigierte Fassungen deiner Texte zusendet, hat er vielleicht deine schriftstellerische Quailtät erkannt und bietet dir ein kostenloses Lektorat. Ich hoffe, dass er sich stilistische Eingriffe verkneift.Dann macht er deine Texte druckreif und du kannst sie bald vermarkten. Ich würde das in 2016 mal angehen, musst dich aber wappnen gegen ignorante Ablehnung, also brauchst Frustrationstoleranz.

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      • Du sollst es nicht kurz machen. Das unterscheidet das obige und die Kommentare im anderen Blog ja von bloßem Meckern und Motzen.
        Ein kostenloses Lektorat…warum es nicht so sehen. Es würde meine Nerven schonen. Vielleicht mach ich es und gehe es wirklich an. Ich bin 39, weiblich, unverheiratet und ohne Kinder – meine Frustrationstolerzanz ist grenzenlos. Ich bin sogar so unverschämt, dabei noch einigermaßen glücklich und zufrieden zu sein. Wenn es nicht klappt, dann bleib ich eben „nur“ hier. Es wäre nicht das Schlimmste.

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  5. Als diese ganzen überflüssigen Apostrophs (oder heißt es Apostrophen? Da fängt’s schon an …) auftauchten und immer mehr wurden, fand ich das lustig und erheiternd, und ich gebe zu, auch ich benutzte das Wort Deppenapostroph: Mein „vertrautes Wortbild“ wurde mir auf völlig absurde Weise (so empfand ich es) entfremdet, wie Du richtig analysierst. Der „Depp“ war aber nie persönlich oder bös gemeint, oft genug bin ich selbst einer, wenn ich z.B. keine Lust habe nachzusehen, ob „groß und klein“ nun groß oder klein geschrieben werden (oder Groß groß und klein klein – das würde mir gefallen), und es dann einfach so schreibe, wie es mir ästhetisch gerade gefällt – wer weiß, wer dann über mich lacht. Aber Du hast recht, besonders freundlich ist das nicht, jemanden als Depp zu bezeichnen wegen eines Rechtschreibefehlers, der so Bezeichnete könnte das als demütigend empfinden. Ab sofort ist der Begriff aus meinem Wortschatz gestrichen – danke für den Anstoß.

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    • Es ist immer erfreulich, einen deiner klugen Kommentare zu lesen. Die Souveränität, die du dir zugestehst, sollten wir allen zugestehen. Ich schreibe gerade an einem Text dazu. Es hat mich nämlich schon seit langem erstaunt und ich habe mich gefragt, wie es dazu gekommen ist, dass Mitmenschen hemmungslos geschmäht werden, weil sie die Orthographieregeln nicht beherrschen.
      Wird Zeit, dass wir da umdenken.

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  6. Auf jeden Fall scheint es viel Tohuwabohu in unserer Sprache zu geben. Und wenn man nicht etepetete ist und nicht viel Fisimatenten oder Larifari macht, hat man genug Möglichkeiten, sich mit oder ohne amtlicher Orthographie auszudrücken.

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  7. Ein Thema, mit dem ich fast täglich zu tun habe. Ich therapiere Kinder mit Behinderung. Beim Spracherwerb nutze ich begleitend sofort die Schríftsprache. Würden wir alles lautgetreu schreiben, hätten wir es einfacher. Die Beisepiele oben machen es deutlich. Manchmal bleibt mir nur, mir mir den Kindern einen Spaß draus zu machen, wenn sie mich fragen: Aber warum wird das so geschrieben? Dann sage ich: Das haben irgendwelche Leute sich einmal ausgedacht, um andere zu verwirren. Aber wir haben das herausgefunden und merken uns das jetzt! 😉 Meistens habe ich dann noch ein spaßiges Wort für den Unsinn, denn uns andere mit der Schreibweise bescheren. Die Kinder springen gut drauf an.
    Es geht für die Kleinsten (bei mir ab 3 Jahren!) schon bei der Auslautverhärtung los. Erklärbar ist manche Schreibweise nicht wirklich, oder?! Froh bin ich, dass ich keine Deutschlehrerin bin, es betrifft nur einen kleinen Teil meines Tuns.

    Beste Grüße aus der Silbenkemenate,
    Silbia

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    • Du hast völlig Recht, nicht alles ist erklärbar, manche Schreibweise das Ergebnis von Zufällen. Aber auch wo Schreibweisen systematisiert sind, geht es manchmal scheinbar regellos zu. Das liegt daran, dass wir im Deutschen sieben Orthographieprinzipien haben, die zum Teil miteinander im Widerstreit liegen. Ich werde demnächst noch mal darüber schreiben. „(…) ausgedacht, um andere zu verwirren“, ist näher an der Wirklichkeit als man glauben möchte. Eine Orthographie muss ja ständig fortgeschrieben werden, weil sich der Wortschatz wandelt. Neue Wörter tauchen auf, andere werden vergessen. Daher wurde der Duden von einer Redaktion betreut, die regelmäßig Neubearbeitungen herausbrachte. Da hatten eifrige Korrektoren wieder Ungereimtheiten entdeckt, und die Dudenredaktion regelte sie. Das betraf besonders die Groß- und Kleinschreibung. Die Zusammen- und Getrenntschreibung war überhaupt nicht in der amtlichen Orthographie geregelt.Die haben die jeweiligen Redaktionen höchst eigenmächtig dazu erfunden. Insgersamt war unsere Orthographie innerhalb von 90 Jahre Duden immer komplizierter geworden, denn mit der Unsicherheit der schreibenden Deutschen konnte man viel Geld verdienen. Der Duden war nach der Bibel sicher das meistverkaufte Buch. Der Fehler war, 1903 die amtliche Orthographie in die Hände eines privatwirtschaftlichen Verlags zu legen und dieses Monopol immer wieder zu erneuern.Es ist erst mit der Reform gefallen.
      Zur Auslautverhärtung.Sie betrifft ja meistens die Wörter im Singular. Wenn man sie in den Plural setzt, ist die Lauttreue wieder vorhanden. So ist es leicht zu behalten. singular Rad (gesprochen Rat), plural Räder.

      Schöne Grüße und viel Erfolg in der löblichen Arbeit!

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      • Ganz so einfach ist es mit der Auslautverhärtung bei meinen Patienten doch nicht. Ich bringe ihnen die Phonem-Graphem -Zuordnung bei, auch in dem Sinne, dass die Phoneme einen Bedeutungsunterschied vornehmen können. Dann kommt so ein Wort wie Rad. Die Kinder beherrschen den Plural in der Phase oft noch nicht (Sprachentwicklungsstörung). Daher gilt es ihnen die Schreibweise als „Das macht man eben so“ und als eingeprägtes Schriftbild (ganzheitliches Lesen) zu vermitteln. Das können gerade die Kinde mit Behinderung sehr gut annehmen, sie bleiben aber auch oft an solchen Stolpersteinen hängen und würden mir dann wieder /t/ und /d/ vertauschen. Da ist oft Fingerspitzengefühl gefragt. Ich lerne viel von meinen Patienten!! 🙂

        Lieben Dank und Gruß,
        Silbia

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