Adventskalender – 5. Türchen – Die Anbetung der Regenrinne und Jesus im Hula-Hoop-Reifen

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Als die 38-jährige Krankenschwester Alex Cotton aus Coventry (England) vom Fußballabend mit Freunden zurückkam, traf sie beinahe der Schlag. Am unteren Ende der hauseigenen Regenrinne war ihr still und heimlich Jesus erschienen. Ergriffen zeigte sie den etwa zehn Zentimeter langen Rostfleck-Jesus ihren Freunden Graham Morriss (33) und Alan Downer (40), worauf die auch nur noch eines sagen konnten, nämlich: „Wow!“
RegenrinneWann Jesus in das Regenrohr hineingefahren war, und wie lange er schon da festsaß, lässt sich nicht klären. Man muss auf allen Vieren kriechen, um ihn zu entdecken, was eine verantwortungsvolle Krankenschwester nicht alle Tage tut. An diesem Abend hat sie sich aber betrinken müssen, weil der unfähige Schiedsrichter den Engländern im WM-Spiel gegen Deutschland ein reguläres Tor verweigert hat. Deutschland-England 4:1! Da hat sich nicht nur Alex Cotton verzweifelt gefragt: „Wo, um Himmels Willen, war Gott?!“
Gott war eingerostet – auf ihrem Regenrohr.
Nicht alle erkennen das Mirakel. Für Krankenschwester Alex Cotton ist es eine Frage des Glaubens. Sie selbst sieht deutlich: Jesus, seinen Bart und den Dornenkranz. Daher hat sie beschlossen, den Papst einzuladen. Er soll er das Regenrohr bewundern und einsegnen. Der allmächtige Gott kann den Menschen selbstverständlich erscheinen wie und wo er will. Deshalb warnt „de redactie“ des belgischen VRT: „Sag nie so einfach ‚Rostfleck’ zu Jesus!“


Herr Jesus hat mich nicht gegrüßt, aber immerhin

Seit es das Internet gibt, gibt es auch mehr Erscheinungen. Vielmehr ist es so, die Schmocks von der Presse haben uns eine Menge Erscheinungen vorenthalten. Sie sitzen ja auf Bergen von ungedruckten Texten, und wenn ein Bericht von einer Erscheinung reinflatterte, dann hat sie spätesten der Chef vom Dienst bei der Redaktionskonferenz vom Tisch gefegt und gesagt: „Ach, nicht schon wieder eine verfluchte Erscheinung! Wir hatten doch erst letztes Jahr eine. Dafür ist jetzt kein Platz. Die heben wir nicht ins Blatt!“ Das sind nämlich alles Heiden oder Zyniker oder beides.

Dank Internet erfahren wir trotzdem von allen Marien- oder Jesuserscheinungen – auf Toastbroten, im Speiseeis, auf Regenrinnen und so fort. Dem kann ich jetzt eine Erscheinung hinzufügen, und ich will verflucht sein bis in die Steinzeit und zurück, wenn ich sie nicht mit eigenen Augen gesehen habe. Gut, ich war bekifft oder hatte Bier getrunken, aber heißt es nicht, Betrunkene sagen die Wahrheit? Und war nicht auch die 38-jährige Krankenschwester Alex Cotton aus Coventry (England) betrunken, als sie Jesus auf ihrer Regenrinne entdeckte, den man nur sehen kann, wenn man auf allen Vieren kriecht? Ich sah jedenfalls den leibhaftigen Jesus in einem Hula-Hoop-Reifen.

Der war sonnengelb und wurde gehalten von einem dienstbaren Geist, vermutlich einem Engel. Er saß auf dem Gepäckständer eines alten Damenfahrrads. Vor ihm saß Jesus und trieb das Fahrrad mit seinen Füßen an. Er sah genau so aus, wie er auf den wunderschönen Gemälden namenloser Künstler dargestellt ist, die früher über den Betten frommer Eheleute hingen. Er hatte schönes langes, kunstvoll gelocktes, braunes Haar, nur hielt er nicht seine Hand aufs strahlende Herz, sondern am Lenker. Er musste sich ja wenigstens ungefähr an die Straßenverkehrsordnung halten. Mit der Rechten grüßte er nach links und rechts wie der Papst, wenn er in seinem Papamobil unterwegs ist. Aber anders als der Papst hatte Jesus einen Glorienschein, der ihn von der Hüfte aufwärts umgab. Das war wie gesagt ein sonnengelber Hula-Hoop-Reifen, der von dem hinter ihm sitzenden dienstbaren Geist, vermutlich einem Engel, gehalten wurde.

Jesus grüßte und grüßte nach links und rechts, grüßte auch dahin, wo gar keiner war, wo zumindest ich keinen sehen konnte. Einziger Wermutstropfen: Er hat mich nicht gegrüßt, sah über mich hinweg, denn ich saß am Boden, vielmehr auf der Dornröschenbrücke ans Geländer gelehnt wie so oft, um den Sonnenuntergang zu genießen. Aber das will ich gelten lassen. Denn nur wer demütig ist, kann auf eine Erscheinung hoffen. Und weil ich mein eigener Chef vom Dienst (CvD) bin, zumindest solange Frau Nettesheim nicht da ist, kann ich sogar Zeugnis ablegen. Halleluja,

guten Morgen und schönen Tag

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35 Kommentare zu “Adventskalender – 5. Türchen – Die Anbetung der Regenrinne und Jesus im Hula-Hoop-Reifen

  1. Ohne den zweiten Teil Absatz hätte ich gesagt, jetzt spinnt er, der Jules. Kriecht mit uns um Regenrohre um einen Rostfleck zu bestaunen. Als Atheist kommt er jetzt mit Erscheinungen auf Toastbroten um die Ecke. Also bitte. Frau Nettesheim, greifen sie ein!
    Aber dann…ein sonnengelber Hula Hoop Reifen im Sonnenuntergang auf der Dornröschenbrücke. Jetzt bin ich wieder bei dir und setz mich für einen Moment neben dich. Ich glaub, du hast recht. Es muss Jesus und sein Engel sein. Was für ein schönes Bild.

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    • Da habe ich ja auch bei dir noch mal Glück gehabt. Ja, als Alltagschronist ist man immmer in Gefahr, in Verruf zu kommen, es sei denn, man gibt an, bekifft den Sonnenuntergang genossen zu haben. Dann setzt sich sogar Mitzi zu mir auf die Dornröschenbrücke. Übrigens habe ich jetzt so ein Porträt gefunden. So sah er nämlich aus:

      jesus
      (unter uns Herrgottschnitzern 😉

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  2. Ich verstehe zwar nicht, warum dieses Rost-Gesicht Jesus darstellen soll, … Oder hat Alex Cotton ihn schon öfter getroffen und deshalb wiedererkannt? Viel interessanten finde ich, dass Du Deinen Hut statt in einen Boxring in ein mit Kreide gezeichnetes Hopse-Spiel wirfst. Das nenne ich doch mal vorbildliche Demut.

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  3. Für mich schaut die Erscheinung auf dem Regenrohr aus wie der Schauspieler Jeff Bridges mit Augenklappe im Film „True Grit“ oder, wenn mir ein zweiter Versuch gestattet ist, wie der Schauspieler Jeff Bridges ohne Augenklappe im Film „The Big Lebowsky“, also, wenn schon nicht göttlich, dann mindestens Messias, aber allermindestens …

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  4. Pingback: Manneken Pis, Hitler und ein fetter Bär |

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