Adventskalender – 3. Türchen – Es geht immer noch schlimmer

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Ein kaiserlicher Unterbeamter hat sich zum Besuch angesagt. Soeben kam der Anruf. Da poltert auch schon seine Garde die Treppe herauf, steht gleich vor der Tür, – und ich bin nicht rasiert, schlurfe noch im Hausrock umher, denn gerade erst dämmert der Morgen heran. Dem Abgesandten in diesem Zustand unter die Augen zu treten, wäre gewiss eine tödliche Beleidigung. Wie lange kann man einen hohen Herrn warten lassen, bevor er ungeduldig die Tür aufbrechen lässt? Es ist wohl so, dass ein kaiserlicher Unterbeamter stets durch geöffnete Türen schreitet, weil immerzu Lakaien zur Stelle sind, deren hauptsächlicher Lebenszweck darin besteht, ihrem Herrn die Türen aufzureißen. Vermutlich hat der hohe Herr in seinem ganzen Leben noch nicht vor einer geschlossenen Tür gestanden, nicht jedenfalls auf dieser Ebene der Stadt, und wer bin ich, dass ich ihm eine derart unerfreuliche Erfahrung bereiten dürfte? Was mach ich nur, was manche ich nur?

Ob es am besten wäre, dass ich mich auf den Boden lege, längs der Fußleiste in die Ecke drücke, mit dem Gesicht zur Wand? Vielleicht wird man mich im Dämmer übersehen oder für ein Bündel schmutzige Wäsche halten. Des Unterbeamten Lakaien werden die Tür eintreten, ausschwärmen, meine wenigen Räume durchmustern und sagen: „Er ist nicht hier, Exzellenz!“ Doch er wird sich nicht zufrieden geben und befehlen, mich unverzüglich herbeizuschaffen. Dann werden sie genauer suchen, jede Ecke auskratzen und mich entdecken.

Da! Es klopft! Man hat sich gar nicht erst mit der Tür aufgehalten, sondern pocht mir sogleich an die Stirn.

Klopfen hören – man wird Neuheiten erfahren, behauptet mein Traumlexikon. Selbstverständlich. Zum Morgenkaffee habe ich die Süddeutsche Zeitung gelesen und all die wundersamen Neuheiten herausgeklaubt, die eine ferne Redaktion für mich zusammengetragen hat. Die Redakteure wissen nicht wirklich viel von diesen Dingen, denn auch sie haben die Informationen aus zweiter Hand, aus dem Angebot der Presseagenturen direkt ins Blatt gehoben oder abgeschrieben bei  anderen Zeitungen. Manches ist ihnen aus den höheren Regionen der Stadt gesteckt worden von Leuten, die ein Interesse daran haben, die Köpfe des  Volks zuzumüllen.

SZDie Schauspielerin Veronica Ferres schläft gerne mit ihrem Lebensgefährten Carsten Maschmeyer vor dem Fernseher ein. Sie hat diese erstaunliche Vorliebe der Zeitschrift Frau im Spiegel erzählt und die investigative Redaktion der Süddeutschen Zeitung (SZ) hat Wind davon bekommen und hat es abgeschrieben. Ferres: „Das ist uns letztens bei meinem eigenen Film passiert. Das fand ich super.“

Verständlich, absolut nachvollziehbar, ja, nahezu selbstverständlich. Es würde mir genauso gehen, weshalb ich mir niemals einen „eigenen Film“ von Frau Ferres anschauen wollte. Denn aufzuwachen, Veronica Ferres zu sein und ins offene Maul eines schnarchenden Carsten Maschmeyer zu schauen, da lasse ich mir doch lieber von den Vasallen eines kaiserlichen Unterbeamten an die Stirn klopfen.

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19 Kommentare zu “Adventskalender – 3. Türchen – Es geht immer noch schlimmer

  1. Menschen verschanzen sich in Gebüschen und Mülltonnen und streichen horrende Summen dafür ein, dass sie ein Foto von Veronica Ferres schießen, die ihre Hunde ungeschminkt, im Jogginganzug Gassi führt…Es kann nur ein Traum sein.
    Guten Morgen!

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  2. Ich möchte weder vom Schnarchen eines Cardten Maschmeyer geweckt werden, noch von einer Horde Versallen die unverschämt aufdringlich gegen meine Stirn klopfen.

    Gerne rutsche ich dagegen gemütlich lesend in den Tag. Sollten mir heute wirklich wichtige Informationen fehlen, weiß ich jetzt wo ich nachfragen kann. „Die Frau im Spiegel“ hat die Antworten.

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  3. Die geneigten LeserInnen werden sich nun die brennende Frage stellen, ob es nicht die Schuld vom Maschmeyer war, dass die Ferres vor dem eigenen Fernseher ein schläft.
    Dass jetzt aber der Kaiser schon seine Abgesandten losschickt, um diese Nachricht flächendeckend überbringen zu lassen, zeugt von einer gründlichen wenn nicht gar leicht überbordenden Bürokratie in Lande …

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    • Maschmeyer doch nicht. Ich glaube, die SZ hat falsch zitiert. Es muss heißen „Die Schauspielerin Veronica Ferres schläft gerne mit ihrem Lebensgefährten Carsten Maschmeyer vor dem Fernseher …. ein.“
      „Überbordende Bürokratie“ erklärt, wieso zu mir nur ein Unterbeamter kommt.

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      • Bis Herr Carsten seinen Tagesverdienst ausgerechnet hat, ist seine Veronica wohl längst entschlummert und er ist wohl sehr froh, dass … im Fernsehen auch nichts Vernünftiges läuft, was ihn wach halten könnte.
        Bei mir kommt nicht mal ein Unterbeamter vorbei, wozu auch – ich hab ja das Teestübchen …

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  4. Es soll angeblich helfen, für 30 Sekunden mit dem Zeigefinger gegen die Stirn zu klopfen um von etwas Unerwünschtem abzulenken.Vielleicht hattest Du Heißhunger oder andere schlechte Gefühle im Schlaf? Der Traum, als Hüter des Schlafs, wollte aber noch nicht die Tür zum Wachleben öffnen und ließ klopfen. Empfehle deshalb dringendst ein Mantra zum Einschlafen: „Ich akzeptiere und liebe mich auch unrasiert im Hausrock.“ Das könntest Du mit der Zeit steigern, bis Du endlich akzeptieren kannst, Veronica Ferres zu sein. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? //hinter vorgehaltener Hand kichernd und ab …//

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    • Der Text ist ja schon etwas älter. Ich weiß wirklich nichts mehr über die Umstände seines Entstehens. Den Tip würde ich gerne ausprobieren. Was wäre denn auf diese Weise zu bannen?
      Wenn ich dich richtig verstehe, muss ich mich als Veronica Ferres jeden Morgen rasieren. Da gehts mir jetzt besser, denn ich trage wieder Bart

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  5. Ich brauche nicht auf den Ferres-Film zu warten, ich schlafe schon das erste Mal bei der Tagesschau ein, weil mich alles so anödet und ich gar nicht wissen will, oder gar ich den Dauertenor schon so erwartet habe und es erst recht nicht wissen will.
    Da fragt man sich, warum ich denn überhaupt dort vor der Glotze hucke und hingucke. Na wenn „der Oldie“ dort huckt und guckt, da unterscheiden wir uns nicht viel von den Ferres-Maschmeiers.

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  6. Mein lieber Watson! Es ist nämlich Dr. Watson, der sonst immer vom Besuch höchst wichtiger Persönlichkeiten bei seinem Freund Homes überrumpelt wird. Watson allerdings ist m.E. noch nie auf die Idee gekommen, sich als einer dieser meterlangen Dackel, die man als Schutz gegen Zugluft vor die Tür legt, zu tarnen. Alle Achtung! – Eine wirklich amüsante Traumgeschichte.

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  7. Wie schön es doch ist, keinen Fernseher zu haben, keine Ferres-Filme anschauen zu müssen (geschweige denn die Ferres zu sein x-) ), keine Zeitschriften und Illustrierte mit wirklich unglaublich informativem Inhalt lesen zu müssen, dafür aber Deinen Beitrag und all die tollen Kommis dazu. Kein Film hätte mich so schnell und so heftig zum Lachen gebracht, außer das Kopfkino, das ich hier beim Lesen hatte. Danke und eine traumhafte Nacht wünsch ich Dir, lieber Jules

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      • Kein Thema, lieber Jules,
        ich hab ja auch erst heut Zeit meine Kommis durchzugucken. Bin da ganz entspannt. Schließlich gibts ja auch ein real life, das ich – besonders wenns die Heizung, wie bei mir betrifft – als viel wichtiger erachte. Und wenn ich hier durch bin, gehh ich mal auf die reader-Seite und schaue, was mich da so amüsiert, werde also sicher heute nochmal bei Dir landen 😉 Ich wünsch Dir einen entspannten Abend

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