Vorsicht! Dieser Text kann Spuren von Erdnüssen enthalten

Wie machen die Homöopathen eine Hühnersuppe? Sie stellen einen Topf mit Wasser in die Sonne und treiben ein Huhn vorbei, so dass der Schatten des Huhns aufs Wasser fällt. Sie müssen das Huhn aber rasch am Topf vorbeischeuchen, damit die Suppe nicht zu kräftig wird.

Den Witz fand ich einmal in einer germanistischen Fachzeitschrift aus den 1950er Jahren. Er zeigt, dass Germanisten wenig oder gar keine Ahnung von Homöopathie haben, sonst wären sie ja auch keine Germanisten, sondern Homöopathen. Das Geheimnis der Homöopathie liegt bekanntlich in der Verdünnung schädlicher Wirkstoffe. Hier gilt die Regel: Je stärker verdünnt, desto höher die Wirkung. Eine Hühnersuppe, die nur hauchzart von einem vorbeiflatternden Hühnerschatten gestreift wurde, entspräche vermutlich der höchsten Potenzierung D78, das ist eine Verdünnung von 1 zu einer Tredezillion. So eine D78-Suppe kippt jeden Gesunden aus den Pantoffeln, hilft aber ganz gewiss gegen Vogel- und oder Schweinegrippe.

„Kann Spuren von Erdnüssen enthalten.“ Ein solcher Warnhinweis in der Zutatenliste industriell gefertigter Backwaren war mir bislang eines der Alltagsrätsel gewesen, denn ich konnte mir nicht erklären, woher die verflixten Erdnussspuren denn stammen. Schließlich sind die Produktionsprozesse der hochtechnisierten Nahrungsmittelindustrie nicht dem Zufall unterworfen. Dann fiel mir die Sache mit der Hühnersuppe ein, und siehe da, aus homöopathischer Sicht ist die Sache klar: Um die Nussecken geschmacklich abzurunden, treiben Lebensmittelingenieure eine Erdnuss an ihnen vorbei, und je nach Lichtverhältnis fällt mal ein Schatten auf die Nussecken, mal auch nicht. Daher auch der Warnhinweis in der Überschrift. Ich habe noch Spuren einer Nussecke an den Fingerkuppen. Falls hier leichtsinnige Erdnussallergiker mitgelesen haben, empfehle ich prophylaktisch eine D78-Hühnersuppe. Zur Sicherheit würde ich aber einen Eimer Wasser und ein ganz dünnes Huhn nehmen.

Redigierte Fassung – Erstveröffentlichung im Teppichhaus Trithemius am 12.5.2009

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14 Kommentare zu “Vorsicht! Dieser Text kann Spuren von Erdnüssen enthalten

  1. Die Erdnuss ist ein extrem aktives Allergen. Ich kenne eine Story von einem Teenager, die ihren ersten Kuss erhalten hat und in einen anaphylaktischen Schock fiel. Ihr Schwarm hatte ein paar Stunden vorher ein Brot damit gegessen! Ich kann die Warnungen schon sehr nachvollziehen, aber auch nur bei Erdnüssen 😉 Bei der Hühnersuppe sehe ich da weniger eine Gefahr 😉

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  2. Frei von allen Allergien und Unverträglichkeiten konnte ich mich furchtlos in deinen Text stürzen und
    ohne Erstickungsgefahr dem hübschen Huhn folgen.
    Meine urplötzliche Lust auf Nussecken schiebe ich dir in die Schuhe.
    Es grüßt dich Mitzi, bereits auf dem Weg zum Bäcker.

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  3. Lieber Jules,
    Die Idee mit dem hübschen Huhn fand ich gar nicht so schlecht, so muss man es wenigstens nicht schlachten…ein schöner Gedanke 🙂 . Und Du hast mich an die 2 Tüten mit Erdnüssen (wohlgemerkt nicht Erdnusskernen) erinnert, die seit dem letzten Jahr in meiner hintersten Schrankecke darauf warten, verarbeitet zu werden…vielleicht ja zu Nussecken 😉
    Liebe Grüße von Andrea

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  4. Wenn wir die Gentechniker aus ihren Labors holten und sie über die Felder oder, besser, sie die Feldwege entlang trieben, dann müssen wir eigentlich mit weniger Düngemittel auskommen – auf jeden Fall aber auf Monsanto & Co zur Gänze verzichten können …

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  5. Auf eine Salzstreuermühle fand ich den Warnhinweis, dass das Salz sowohl Spuren u.a.a. von Erdnüssen, Eiweis, Milch und noch paar andere Stoffe des täglichen Lebensgebrauchs enthalten könnte. Einen Hinweis, dass es auch Spuren von Salz enthalten könnte, las ich nicht, also stellte ich die Streuermühle wieder zurück … ich hätte doch so gerne, das Salz in meiner Suppe gehabt …

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