Unterhaltung am Wochenende – Aus den Papieren des PentAgrion (2) – Hellwach auf der Dornröschenbrücke

Eben erst leuchtete das Herbstlaub in der Sonne, jetzt kommen ihre letzten Strahlen kaum noch über die Dächer der Stadt hinweg. Die Leine liegt bereits im Schatten. Breit und behäbig fließt sie zur Stadt hinaus. Der ergiebige Regen der letzten Wochen hat sie selbstgewiss gemacht. Ihre Ufer sind gesättigt, und es fehlt nicht viel, dann wird ihr Wasser ansteigen und an den Leinewiesen lecken.

Ich habe angehalten auf der Dornröschenbrücke, mein Rad abgestellt und schaue hinunter auf den Fluss. Das Wasser ist beinah schwarz. Im Sommer habe ich oft auf dieser Brücke gesessen, mich ans Geländer gegenüber gelehnt wie viele andere auch. Hab das Hin und Her von Fußgängern und Radfahrern beobachtet und das milde Licht der Abendsonne genossen. Damals stand sie noch spät am Abend über dem Flusstal, ließ die Leine erst golden, dann silbrig glänzen. Und glitt ein Ruderboot heran, zog es Wellentäler hinter sich her, die den Spiegel brachen und gleich langen Schatten auf die Ufer zustrebten.
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