Einiges über mikrobiotische Reisezentren

Inzwischen haben menschliche Biologen herausgefunden, dass in Ameisen lebende Bakterien deren Verhalten steuern. Manche Biologen vermuten sogar, dass auch menschliches Verhalten von Mikroben gesteuert werde. Betrachten wir noch einmal den gestern schon im Bild gezeigten Ampeldruckknopf, von dem wir wissen, dass er den offiziellen Zweck nicht erfüllt. Mein vertrauenswürdiger und kundiger Informant diesbezüglich war ein Stadtplaner, also ein Mann, dessen Profession es ist, sich Gedanken zu machen über Fußgängerströme und wie sie verkehrstechnisch sicher zu leiten wären. Man kann sich vorstellen, dass viele Mikroben sich an der menschlichen Hand aufhalten. Ein öffentlich angebrachter Schaltknopf, der mit der Hand berührt werden soll, wird naturgemäß mit den Mikroben kontaminiert. Eine weitere Hand nimmt einen Teil der Mikroben wieder auf und transportiert sie zu anderen Wirten an einem ganz anderen Ende der Stadt.

mikrobiotischer-Bahnhof Auf diese Weise sind solche Knöpfe, von denen es schier Millionen in den Städten gibt, sind diese Knöpfe mikrobiotische Reisezentren, auf denen es von Reisewilligen geradezu wimmelt, ein Gedränge und Schubsen schlimmer als im Kölner Hauptbahnhof. Der größte Unterschied ist die Unwägbarkeit des Reiseziels, als würden im Kölner Hauptbahnhof die Reisenden nach dem Zufallsprinzip auf Züge verteilt, von denen niemand wüsste, wohin sie überhaupt fahren. Du hast einen schönen Fensterplatz ergattert, schaust hinaus, da rollt dein Zug am Kölner Dom vorbei und du freust dich, denn jetzt folgt die Rheinüberquerung auf der phantastischen Hohenzollernbrücke und weiter ins belebte Ruhrgebiet. Du kannst aber auch Pech haben und dein Zug rollt zur anderen Seite aus dem Bahnhof und weiter Richtung Eifel. Da denkst du: „Och nein, nicht schon wieder die Eifel! Da haben meine Vorfahren doch schon letztens Äonen lang in einem Kuhfladen festgesessen, bevor sie endlich in der Nase eines Bauern gelandet sind, der sie dankenswerter Weise in einem Köln-Ehrenfelder Supermarkt ins Obstregal geniest hat.“

Wir wollen das nicht weiter ausgestalten. Viel interessanter ist die Frage, ob nicht die Mikroben, die an und im Menschen leben, ein großes Interesse am Sozialleben der menschlichen Art haben. Anders ausgedrückt: Ist der Mensch ein Sozialwesen, weil die Mikroben ihn dazu gedrängt haben? Haben beispielsweise Mikroben einem Verkehrstechniker die Idee vom gelben Ampelknopf ins Denken geschmuggelt, die er, mit der Fähigkeit der Rationalisierung ausgestattet, plötzlich aus verschiedenen Gründen hilfreich und probat gefunden hat, wodurch er andere von der Nützlichkeit überzeugen konnte, weshalb es jetzt überall an den Fußgängerampeln diese Mikrobenreisezentren gibt? Ich bitte, diese Frage in der Registratur zu diskutieren und auch zu erwägen, ob nicht für das irrationale Verhalten der Menschen diese Mikroben verantwortlich sind. Vielleicht sind sie in Wahrheit die intelligente irdische Spezies.

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27 Kommentare zu “Einiges über mikrobiotische Reisezentren

  1. Der Mensch ist eine Ansammlung von symbiotischen Zellen, die beschlossen haben, gemeinsam eine lange Zeit miteinander zu verbringen. Sozusagen ein geklumpter Zellhaufen, der mobil ist und eine Kommunikationsart zwischen anderen Zellhaufen gefunden hat.
    Wie lange leben Mikroben auf trockenen Kunststoff?
    Bei den von dir fotografierten Schaltgehäusen hat es hier unterhalb einen Fühlpunkt. Wenn das Ding richtig funktioniert, dann vibriert dieser Fühlpunkt und ein Seh- und Hörbehinderter hat die Möglichkeit die Grün-Phase zu erkennen. Hat es diesen unteren Bereich auch in Hannover?

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    • Mikroben sind ja potentiell unsterblich, vermehren sich durch Zellteilung unter Idealbedingungen asexuell alle 20 Minuten. Wird der Knopf nicht gewischt durch Regen oder einen Gemeindearbeiter oder werden Bakterien durch extreme Sonneneinstrahlung nicht eingedampft (fehlen also biotische und abiotische Einflüsse), müsste bei der exponentiellen Vermehrung der Belag auf dem Knopf nach einer Woche 10 bis 15 Meter dick sein.
      Berechnung: Ausdehnung der Zellkörper (Volumen = Länge x Breite x Höhe) und Vermehrungsrate pro Zeiteinheit lässt sich mühelos das Anwachsen des Belages errechnen. Weil der Ampelknopf in der Regel vertikal angebracht ist, würde der Brocken natürlich abfallen.

      Diese Einheit für Blinde gibts in Hannover nicht. Sie sind also geschützt, weil sie nur auf das akustische Signal achten müssen.

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      • Die Vibrationseinheit ist ja auch nicht für Blinde gedacht, da meistzeit noch ein akustisches Signal mit ausgesendet wird. Es ist für Menschen mit Hör- und Seheinschränkung gedacht. Also beispielsweise für alte Menschen, die erstens nicht mehr richtig sehen können (z.B. wg. grauer Star; da hilft auch die Farbcodierung nicht mehr) und die zweitens hörbehindert sind (oder zu wenig Geld haben sich dauernd neue Batterien fürs Hörgerät zu kaufen; das ist nicht despektierlich gemeint sondern ernsthaft). Meine Mutter beispielsweise profitiert gerade von solchen Vibrationseinheiten im Schaltgehäuse.

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  2. Neulich im TV gesehen: Es gibt einen Parasiten, der sich im Darm der Katze vermehrt und über die Ausscheidung nach außen gelangt, aber unbedingt wieder zurück muß in einen Katzendarm. Er läßt sich bevorzugt von Mäusen fressen, wandert im Mäusekörper ins Gehirn und hemmt dort die Entstehung von Angst, was zur Folge hat, daß die befallene Maus keine Angst mehr hat vor jagenden Katzen, sich ihnen entgegenstellt und natürlich gefressen wird – Ziel erreicht. Nun weiß dieser Parasit allerdings nicht, ob er sich wirklich in einer Maus befindet, oder in einem anderen Lebewesen, aber die Wirkung ist immer die selbe: Angsthemmung, Skrupellosigkeit. Diesen Parasiten hat man tatsächlich auch schon bei Menschen gefunden. Mir fallen sofort eine Menge Leute ein, die sich darauf mal untersuchen lassen sollten.

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  3. Ich finde es immer seeeehr beruhigend, lieber Jules, dass ich diese Myriaden von ekligen Mikroben da z.B. auf dem Ampelschalter nicht sehe…

    und auch all dieses Minigetier in meinem Darm nicht, vor allem je mehr es gen Ende geht;
    selbst das, was da ab und zu aus dem Anus austritt, hat ja noch ein einigermaßen erträgliches Aussehen, meistens, und auch hier fetzen mich die gottlob unsichtbaren Viecher nicht…

    meine Welt kann also auch zukünftig sich so weiter drehen wie bisher 🙂

    Ein feiner Artikel, wie immer!
    Dir einen schönen Tag!
    Liebe Morgengrüße von mir zu dir 🙂

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    • Du hast natürlich Recht. Man muss nicht über all das nachdenken, lieber Finnbar. Aber natürlich habe ich das Thema der Mikroben aufgebracht, und die leben ja überall. Wenn wir zu itensiv darüber nachdenken, fürchte ich, wird das Selbstverständliche am menschlichen Dasen uns fremd. Danke dir für das freundliche Kompliment,!
      Dir einen schön Tag in der sichtbaren Welt,
      Jules

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        • Mikrorganisen sind generell auch wichtig als erstes Glied, als Startglied aller Nahrungsketten. Würde es wegbrechen, wäre kein Leben auf diesem Planeten möglich. Sie sichern also auch unser Überleben. Das dürfen wir nicht vergessen. Übertriebene Hygiene ist eher schädlich, sagt mir der Biologe, bei dem ich gerade zu Gast in Aachen bin. Die Zunahme der Allergien habe etwas mit der übersteigerten Hygiene zu tun. Also lieber mal nicht waschen und alles bleibt im grünen Bereich 😉

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  4. Lieber Jules,
    schon Ihr Artikel über unsere strunzdumme Wahnsinnswelt hat meinen Horizont wesentlich erweitert. (Mindestens ein oder zwei Zollstocklängen!) Aber einige Zusammenhänge verschließen sich mir weitgehend. So ist das Zusammenspiel von Mensch und Natur für mich nicht nur ein Rätsel was Ameisen und Bakterien in meiner Steuerung angeht, auch verstehe ich nicht, warum Kühe auf einem Skateboard im Wald immer Vorfahrt haben und auf einer Weide ist es ihnen meistens egal?!

    Oder habe ich dieses Verkehrsschild falsch verstanden?

    Gruß Heinrich

    P.S. Glücklicherweise ist an dieser Stelle keine Fußgängerampel mit Signal, sodass wandernde Naturfreunde nicht aufgehalten werden

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  5. Lieber Heinrich,
    dankkeschön für das Foto eines witzigen Verkehrsschilds! Zwei Zollstocklängen, das klingt zunächst mal viel. Gemessen aber an Ihrem vormals schon derart weiten Horizont, dass die Erdkrümmung sogar zu sehen war, ist natürlich ein Zollstock gar nichts. Ich werde mich in Zukunft um größeres Wissenspotential in meinen Texten bemühen, getreu der Erkenntnis: Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Skatende Kühe würde ich in diesem Zusammenhang gerne verboten sehen.

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    • Da könnten Sie mit einem Lichtenbergzitat kontern, wenn ich es denn so schnell finden könnte. Sinngemäß: Alles Große wirkt aus der Nähe betrachtet kleiner als es ist, das Kleine entsprechend größer. Besser passt ein Zitat aus der Bibel (Mt 13,57): „Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause“.

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